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minimal-invasiver Zugang zum Hüftgelenk finden Sie
hier
(z.B. einen Videofilm zum vorderen Zugang)
Quelle:
Deutschen Orthopädenkongress
in Berlin
Der minimal
invasive Zugang zur Hüfte setzt sich durch.
Seit drei Jahren
werden auch die großen Gelenke minimal invasiv operiert. Die
Vorteile einer solchen Vorgehensweise liegen auf der Hand: Der Hautschnitt
ist kleiner, Muskeln und Sehnen werden geschont, der Blutverlust
ist geringer, die Patienten können schneller mobilisiert und
nach Hause entlassen werden. Und: Sie müssen wegen des geringeren
Traumas weniger Schmerzen und Bewegungseinschränkungen in Kauf
nehmen, was ihnen mehr Lebensqualität beschert. Bisher wurden
einige minimal invasive Zugangswege zur Hüfte entwickelt. Prof.
Dr. Richard A. Berger setzt die Acetabulum- und Femurkomponente
über eine 2-Incision-Technik ein. Dr. med. Heinz Röttinger
verwendet dafür einen einzigen Schnitt. Beim diesjährigen
Deutschen Orthopädenkongress in Berlin wurden beide Verfahren
in einem Expertengespräch mit dem Titel Endoprothetik
Hüfte minimal invasive Implantationstechnik vorgestellt
und verglichen. Die Ergebnisse sind nach einer ausgeprägten
Lernkurve für beide Verfahren gut.
Prof. Dr. Richard A. Berger von der Rush University in Chicago operiert
seit Februar 2001 mit der 2-Incision-Technik. Er war der Erste,
der gezeigt hat, dass beim endoprothetischen Hüftgelenksersatz
eine Schonung der Weichteile - und damit ein ambulantes Operieren
- möglich ist. Seitdem hat Berger über dreihundert Patienten
auf diese Weise operiert. Seine Ergebnisse können sich sehen
lassen: Von hundert im Rahmen einer klinischen Studie operierten
Patienten verließen 92 das Krankenhaus noch am selben Tag.
Acht Patienten verließen das Krankenhaus am nächsten
Tag. Nur ein Patient stellte sich zwei Tage später noch einmal
wegen Schmerzen in der Brust vor. Die Schmerzen waren allerdings
nicht auf die endoprothetische Versorgung zurückzuführen
und verschwanden bald wieder. Alle anderen Patienten wurden während
der dreimonatigen Nachbeobachtungszeit nicht mehr vorstellig.
Die Pfanne wird bei der von Prof. Berger entwickelten 2-Incision-Technik
über den Smith-Peterson Zugang, der Schaft über eine Gluteus-Split-Technik
implantiert. Für die Operation sind spezielle Instrumente und
Hilfsmittel nötig. Der Patient wird zunächst mit einem
Polster unter dem Kreuzbein auf dem Rücken liegend operiert.
Der erste Schnitt erfolgt direkt über dem Oberschenkelhals
und exponiert die Fascie. Darunter liegt medial der Sartorius und
lateral der Tensor fasciae latae. Beide werden mit Haken beiseite
geschoben, was die Sicht auf die Gelenkkapsel freigibt. Dies ist
auch bei adipösen Patienten möglich, weil sich zwischen
diesen Muskeln nur wenig Fett befindet. Bevor die Gelenkkapsel,
die zu keinem Zeitpunkt der Operation herausgelöst wird, mit
einem longitudinalen Schnitt geöffnet wird, wird das Circumflex-Gefäss
mit einem Elektrokauter durchtrennt, was den Blutverlust minimiert.
Nach dem Öffnen der Kapsel wird der Gelenkkopf zuerst mit einem
hohen Schnitt durchtrennt um eine bessere Sicht auf das Operationsgebiet
zu haben und dann mit einem zweiten Schnitt vollständig entfernt.
Ob die Resektionshöhe korrekt ist, zeigt ein intraoperatives
Röntgenbild oder die Bewegung des Beins. Die Sicht auf das
Acetabulum ist bei dieser Vorgehensweise allerdings weniger gut
als bei der konventionellen Prozedur. Das Pfannenlager wird mit
speziellen Instrumenten gefräst. Die Abduktion des Acetabulums
sollte dabei 45 Grad, die Anteversion 20 Grad betragen. Auch für
die Insertion der Pfanne braucht man ein spezielles Instrumentarium.
Prof. Berger verwendet in der Regel Pfannen, die zwei Millimeter
größer sind als der Durchmesser der letzten Fräse,
was einen Pressfit von zwei Millimetern ergibt. Darüber hinaus
fixiert Prof. Berger alle Pfannen mit Schrauben eine persönliche
Vorliebe, wie er beim Orthopädenkongress in Berlin betonte.
Nach dem Einsetzen der Pfanne wird das Kissen unter dem Kreuzbein
entfernt, so dass der Patient flach auf dem Operationstisch liegt.
Die korrekte Positionierung der Pfanne wird dann durch eine Röntgenaufnahme
überprüft. Danach entfernt Prof. Berger die Osteophyten
am Rand des Acetabulum und legt die Polyethylen-Inlay in die Pfanne.
Bei voller Abduktion des Beins und bei neutraler Rotation erfolgt
der zweite, posteriore Einschnitt entlang des Periformis. Der Weg
zwischen den Muskeln hindurch zum Femurkanal wird zunächst
mit den Fingern ertastet. Danach werden die Fräsinstrumente
durch den posterioren Zugang zum Femurkanal gebracht. Bevor Schaft
und Hüftkopf eingesetzt werden können, muss der Operationskanal
mit Hohmann-Haken erweitert werden. Nach der Implantation werden
Sitz des Implantates, Beinlängendifferenz und Offset durch
eine Röntgenaufnahme und durch visuelle Kontrolle überprüft.
Zum Schluss werden die Gelenkkapsel und auch die äußeren
Zugänge verschlossen.
Bei der von Prof. Berger propagierten 2-Incision-Technik ist der
vordere Einschnitt vier Zentimeter, der hintere Einschnitt fünf
Zentimeter lang. Beide Einschnitte erlauben eine gute Pfannenübersicht
und eine sichere Implantatpositionierung. Prof. Berger hat mit dieser
Technik inzwischen schlanke und weniger schlanke Patienten operiert.
Weder Adipositas noch Dysplasie sind für ihn ein Grund auf
diese minimal invasive Vorgehensweise zu verzichten. Er verwendet
diese Operationstechnik allerdings nicht für zementierte Prothesen.
Nach Prof. Bergers Worten verlangt die 2-Incision-Technik einige
Übung, weil viele der gewohnten intraoperativen Orientierungspunkte
nicht mehr zur Verfügung stehen. Bei seinen ersten zwölf
Operationen, die zum Teil mehrere Stunden dauerten, sind ihm verschiedene
Fehler unterlaufen, die aber allesamt noch während der Operation
korrigiert werden konnten. Heute ist seine Fehlerrate gering und
auch die Operationszeit liegt mit fünfzig Minuten im Rahmen
des Üblichen. Das spezielle Instrumentarium sorgt zudem für
eine gute Reproduzierbarkeit der Ergebnisse. Der Blutverlust ist
mit drei- bis vierhundert Milliliter gering. Auch das Embolierisiko
ist gering, weil das Bein während der ganzen Operation nicht
abgeknickt wird. Besonders vorteilhaft ist nach Ansicht von Prof.
Berger auch, dass die Patienten wegen des geringen Traumas
es werden keine Muskeln oder Sehnen durchtrennt schneller
nach Hause entlassen werden können. Für ihn wird das ambulante
Operieren bald zum Standard in der Hüftendoprothetik gehören.
Ein Nachteil seiner Vorgehensweise besteht allerdings in der häufigen
Röntgenkontrolle während des Eingriffs, die aber nach
Prof. Berger nicht unbedingt erforderlich ist.
Bevor Dr. Heinz Röttinger von der Orthopädischen Chirurgie
München seine Version der minimal invasiven Chirurgie vorstellte,
fasste er zunächst noch einmal die Bedingungen zusammen, die
an eine solche Vorgehensweise geknüpft sein müssen. Ein
minimal invasiver Zugang muss übersichtlich und erweiterbar
sein. Er muss standardtauglich und komplikationsarm sein. Außerdem
muss damit eine kurze Operationszeit möglich sein. Dr. Röttingers
und Prof. Bergers Operationstechnik unterscheiden sich in einigen
wesentlichen Punkten. Verschieden ist die Zahl der Einschnitte:
Prof. Berger macht zwei, Dr. Röttinger nur einen Schnitt. Dr.
Röttingers Schnitt verläuft anterolateral und entspricht
einem modifizierten Watson Jones Zugang. Der Patient liegt bei Dr.
Röttingers Verfahren in einer stabilen Seitenlage. Operiert
wird von vorne, nicht von der Seite. Dr. Röttinger verschafft
sich den Zugang zur Gelenkkapsel zudem durch ein anderes Muskelintervall
als Berger. Er schiebt den Gluteus medius und Tensor fasciae latae
zur Seite um zur Kapsel zu gelangen, nicht den Sartorius und den
Tensor fasciae latae. Bei Röttinger ist das Handling des Beins
Teil der Operationstechnik. Der Patient ruht deshalb auf einer speziellen
Liege, auf der das operierte Bein, frei beweglich ist. Ein Assistent
ist während der gesamten Operation damit beschäftigt,
das Bein durch Abduktion, Hyperextension und Außenrotation
so hin und her zu bewegen dass eine gute Sicht auf die Gelenkkapsel
möglich ist. Diese Operationstechnik ist demzufolge mit einem
höheren personellen Aufwand verbunden, weil ohne diesen Assistenten
nicht operiert werden kann. Nach dem Öffnen der Gelenkkapsel
wird der Femurkopf - genau wie bei Prof. Berger - durch eine Doppelosteotomie
entfernt. Die eigentliche Präparation des Acetabulums und des
Femurs erfolgen ähnlich wie bei Prof. Berger. Allerdings wird
die Kapsel durch vorsichtige Einschnitte gelockert, damit ein einfacheres
Arbeiten möglich ist. Eine Röntgenkontrolle ist während
des gesamten Eingriffs nicht notwenig, da das Operationsgebiet wegen
des Beinhandlings gut einsehbar ist. Dr. Röttinger kann mit
dieser minimal invasiven Vorgehensweise auch zementierte Prothesen
einsetzen und Revisionen vornehmen. Auch für ihn sind Dysplasien
und Adipositas kein Operationshindernis, allerdings sind übergewichtige
Patienten deutlich schwieriger zu operieren als schlanke.
Seit August vergangenen Jahres verwendet Dr. Röttinger ausschließlich
diesen minimal invasiven Zugang. Er hat inzwischen mehr als fünfhundert
Patienten damit operiert. Die Operationszeit ist mit 48 Minuten
kürzer als Prof. Bergers Operationszeit, der Blutverlust mit
durchschnittlich dreihundert Millilitern gleich. Bei den Komplikationen
gibt Dr. Röttinger sechs periprothetische Frakturen an, acht
Abrisse von dorsalen Trochanteranteilen, zwei Pfannendislokationen
und zwei Weichteilimpingements. Alle Komplikationen konnten durch
die Erweiterung zum klassischen Watson Jones Zugang bewältigt
werden. Die Lernkurve ist allerdings auch bei Dr. Röttingers
Verfahren lang. Gewöhnungsbedürftig ist vor allem die
neue Perspektive, weil vor dem Patienten und in großer Nähe
zu den Assistenten operiert wird. Weil die Beinkontrolle so unerhört
wichtig ist, empfiehlt Dr. Röttinger die Bildung von Teams.
Die funktionalen Ergebnisse - das wurde bei dem Expertengespräch
sehr deutlich - sind bei beiden Vorgehensweisen gleichermaßen
gut.
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