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minimal-invasiver Zugang zum Hüftgelenk finden Sie
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(z.B. einen Videofilm zum vorderen Zugang)
Quelle:
Presse-Information
Masterclass-Symposium in Hildesheim unter der
wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. med. Burkhard Wippermann
Junge Patienten,
minimal invasives Operieren neue Wege für die Endoprothetik
an Hüfte und Knie
Hildesheim - Immer jüngere Patienten erhalten einen Gelenkersatz
an Hüfte oder Knie. Ihre Anforderungen an die Endoprothese
sind hoch, da sie mit dem Kunstgelenk körperlich aktiv bleiben
wollen. Gleichzeitig wächst bei den Operateuren das Bestreben,
Patienten dieser Altersgruppe minimal invasiv zu versorgen
aber was bedeutet das? Das Spektrum minimal invasiver Hüft-
und Knieendoprothetik vom verkürzten Hautschnitt über
den weichteilschonenden Zugang bis zum Oberflächenersatz
wurde auf dem ersten Masterclass-Symposium in Hildesheim unter der
wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. med. Burkhard Wippermann
beleuchtet. Zwei Live-Operationen, das Einsetzen einer Hüft-
und einer Knietotalendoprothese, zeigten den Teilnehmern das praktische
Vorgehen und die hohen Anforderungen, die minimal invasive Gelenkchirurgie
an den Operateur stellt.
Das Ziel minimal invasiver Chirurgie ist ein insgesamt möglichst
wenig traumatisierendes Vorgehen. Im Fall der Hüftendoprothesen
kann z.B. Muskulatur geschont werden, indem sie nicht durchtrennt,
sondern beiseite geschoben wird. Auch Resurfacing, bei dem der Ersatz
auf die Gelenkfläche beschränkt bleibt, und Kurzschaftprothesen,
bei denen weniger Femurknochen geopfert werden muss, gehören
insofern zur weniger oder eben minimal invasiven Endoprothetik.
Ihre Vorteile liegen in erster Linie in schnellerer Rekonvaleszenz,
geringeren Schmerzen, kürzerer Rehabilitationszeit und dadurch
reduzierten Kosten. Der kosmetische Effekt der kleineren Narbe,
der für die Patienten im Vordergrund steht, tritt für
die Chirurgen demgegenüber zurück.
Soll sich minimal invasives Vorgehen in der Endoprothetik etablieren,
so müssen damit die Langzeitergebnisse des konventionellen
Gelenkersatzes zumindest erreicht werden und das wird nicht
leicht. So präsentierte etwa Dr. Dietmar Rohlfing, Oberarzt
an der gastgebenden Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie
des Städtischen Krankenhauses Hildesheim, auf dem Masterclass-Symposium
die exzellenten Ergebnisse, die in den vergangenen Jahrzehnten dort
mit dem CLS-Schaft erzielt worden sind. Seit 1969 wurden dort bei
6250 Patienten über 7900 Hüftendoprothesen implantiert;
seit Mitte der 80er Jahre fast ausnahmslos mit zementfreier Pfanne
und bei 2/3 der Patienten auch mit zementfrei fixiertem Schaft.
Alle 5 Jahre werden die Patienten zu einer Nachuntersuchung gebeten,
nach 10 Jahren folgten immerhin noch 49% und nach 15 Jahren 22%
dieser Aufforderung eine beachtliche Quote angesichts der
Tatsache, dass 15 Jahre nach der Implantation im Mittel 40% der
ja zum Operationszeitpunkt teilweise schon sehr alten Patienten
verstorben sind. Von den Implantationsjahrgängen
1986 bis 1991 zeigten sich 89% sehr zufrieden oder zufrieden mit
dem Ergebnis, 66% berichteten von völliger Schmerzfreiheit,
23% von gelegentlichen leichten Beschwerden. 21 Prothesen mussten
revidiert werden; 96% der eingesetzten Implantate überwiegend
CLS Spotorno-Schäfte und Weill-Ringe waren nach 10 Jahren
noch an Ort und Stelle. Das also ist die Messlatte, die auch für
minimal invasives Vorgehen gilt.
Unser
Ziel sollte sein, nur zu ersetzen, was krank ist, sagte
Prof.
Dr. Wolfgang Rüther, Hamburg, zu Beginn seines Vortrags über
den Oberflächenersatz. Was an Schulter und Knie schon sehr
erfolgreich umgesetzt werde, könne auch an der Hüfte gelingen.
Allerdings sei das erstmals 1925 von Smith Petersen vorgestellte
Konzept des Resurfacings sehr abhängig von der
Erfahrung des Operateurs. Als wichtigste Probleme nannte Rüther
die Entstehung von Abriebgranulomen, die durch die Verwendung von
Pressfit-Pfannen mit Metall/Metall-Gleitpaarung vermieden werden
können, sowie Knochenatrophie durch ossären Umbau unter
der Kappe und Ermüdungsfrakturen, die durch Zementierung der
Femurkomponente zu umgehen sind. Um keine Knochennekrose im femoralen
Stumpf zu verursachen, ist laut Rüther vor allem die Auswahl
der Patienten wichtig: bei Hüftkopfnekrose, behandlungsbedürftiger
Osteoporose oder anderen Osteopathien ist dieses Verfahren nicht
geeignet. Zur korrekten Positionierung der Kappe, zu den Vorgängen
unter der Kappe und zum Langzeitverlauf seien allerdings noch viele
Fragen offen.
Einen entschiedenen
Befürworter hat der Oberflächenersatz in Prof. Antonio
Moroni, Bologna. Er hat seit 2001 insgesamt 135 solcher Prothesen
bei 129 Patienten mit einem Durchschnittsalter von 49 Jahren eingesetzt.
Alle waren, so berichtete Moroni, einen Monat nach dem Eingriff
bei vollem Bewegungsumfang gehfähig und gaben ein normales
Hüftgefühl bei körperlicher Aktivität
an. Obwohl überzeugende Langzeitdaten fehlen, sieht Moroni
diese Methode als Therapie der Wahl für junge und aktive
Patienten.
Mehr Stabilität
und größeren Bewegungsumfang lassen sich auch durch die
Verwendung eines größeren Prothesenkopfs erreichen.
Prof.
Rainer Neugebauer, Regensburg, hat gute Erfahrungen mit der Kombination
von konventionellem CLS-Schaft plus Großkopf gemacht. Durch
die Vergrößerung des Kopfdurchmessers von 28 auf 36 mm
lässt sich der Bewegungsumfang von 114° bis auf 127°
steigern, zusätzlich bietet die neue Kragenform weitere 6°
Bewegungszuwachs. Der Abrieb ist von der Kopfgröße unabhängig,
steigt also durch Wahl eines Großkopfs nicht an, und die Luxationstendenz
ist sehr gering. Das CLS-Konzept mit sphärischer Pfanne,
Durasul-Inlay und großem Kopf erfüllt daher die Anforderungen,
die junge, dynamische Patienten an eine Hüftendoprothese stellen,
resümierte Neugebauer.
Eine andere
Reaktion des Operateurs auf die immer jünger werdende Patientenklientel
ist die Verwendung von Kurzschaftprothesen. Denn die Ergebnisse
konventioneller Endoprothetik sind bei jungen Patienten nicht gut,
warnte Prof. Dr. Joachim Löhr, Endo-Klinik Hamburg. Weniger
als 55% der Prothesen seien bei 55 zum Implantationszeitpunkt unter
30 Jahre alten Patienten nach 25 Jahren noch funktionsfähig
gewesen, berichtete er. An der Endo-Klinik werden in diesen Fällen
Kurzschaftprothesen eingesetzt, 108 von 220 damit versorgten Patienten
konnten nachuntersucht werden. Außer zwei Frakturen, von denen
eine konservativ zur Ausheilung kam, traten keine wesentlichen Komplikationen
auf, insbesondere keine Infektion und keine Lockerung. Als gute
Indikationen für den Kurzschaft nannte Löhr die primäre
Arthrose bei Patienten unter 65 Jahre mit hoher körperlicher
Aktivität, sekundäre Arthrosen z.B. nach M. Perthes, Femurkopfnekrose
sowie rheumatoide Arthritis, sofern keine Osteoporose vorliegt.
Letztere ist eine Kontraindikation ebenso wie dysplastische Hüfte
oder Schenkelhalsfraktur. Die Wiederherstellung der Anatomie bzw.
des Rotationszentrums, die gegenüber den Standardprothesen
schwierigere Einstellung der Anteversion und die sorgfältige
Patientenselektion sind nach Löhrs Überzeugung die Schlüssel
zum Erfolg bei Kurzschaftprothesen.
Konservativen,
knochensparenden Hüftgelenksersatz machen wir an der Mayo-Clinic
schon seit 20 Jahren, relativierte Dr. Bernard Morrey, Rochester,
die Neuheit des minimal invasiven Vorgehens. Der in
den frühen 80er Jahren entwickelte Mayo-Schaft vereint geringen
Knochenverlust mit sicherer Fixation. Seit einigen Jahren wird dieser
Schaft über eine nur 8 bis 10 cm lange Inzision eingebracht.
Morrey bezeichnete dies als limited invasive surgery
Bei den 1985 bis 1993 implantierten Mayo-Schäften beträgt
die nach Kaplan-Meier ermittelte Überlebensrate der Prothese
hinsichtlich mechanischen Verlusts nach 5 bzw. 10 Jahren 98,2%,
frei von Osteolysen waren 99% nach 5 und 91% nach 10 Jahren. Die
Ergebnisse haben sich, so ergänzte Morrey in der Diskussion,
nach anfänglichen Frakturraten von bis zu 5% sehr verbessert,
als die anfangs nur in einer Größe erhältliche Mayo-Hüfte
in mehreren Größen verfügbar wurde. Morrey erklärte,
dieses Vorgehen sei für ihn ebenso wie für eine wachsende
Zahl weiterer amerikanischer Chirurgen die Therapie der Wahl, verschwieg
jedoch auch nicht, dass die Zielsetzung des Hüftgelenkersatzes
sich in eine zweifelhafte Richtung entwickelt: Die Ansprüche
der Patienten haben gewechselt vom Vernünftigen zum
Absurden.
Den neuesten
Aspekt minimal invasiver Hüftendoprothetik, den verkleinerten
Zugang unter Erhaltung der gesamten Hüftmuskulatur, demonstrierte
Dr. Heinz Röttinger, München, am OP-Tisch. Mittels Live-Übertragung
aus dem Hildesheimer Krankenhaus konnten sich die Masterclass-Teilnehmer
einen Eindruck vom praktischen Vorgehen bei dem von Röttinger
entwickelten OCM-Zugang verschaffen. Er zeichnet sich
durch besonders breite Einsetzbarkeit aus: Nahezu alle Prothesentypen
können verwendet werden, sowohl zementierte als auch zementfreie
Systeme. Der Patient wird bei Röttinger in Seitenlagerung auf
einer Vakuummatratze fixiert. Der Hautschnitt liegt anterolateral
und misst etwa 6 bis 8 Zentimeter; bei Bedarf kann er problemlos
erweitert werden. Der Zugang zum Gelenk erfolgt intermuskulär
am Vorderrand des M. gluteus medius und zeigt dem Operateur den
Situs aus einer ungewohnten Perspektive. Röttinger implantierte
in Hildesheim eine HA-beschichtete 58er Pfanne sowie einen CLS-Schaft
und wählte eine Durasul/Keramik-Gleitpaarung. Er wies in der
Diskussion darauf hin, dass er inzwischen alle Hüftoperationen
über seinen Zugang mache - auch Revisionen, die
allerdings mit vergrößertem Hautschnitt.
Neben dem anterolateralen
OCM-Zugang gibt es auch eine Reihe weiterer Wege, um minimal invasiv
Hüftendoprothesen zu implantieren. Prof. Dr. Peter Schandelmaier,
Deggendorf, stellte einen posterolateralen Zugang vor und fand eine
originelle Formulierung, um das wichtigste Kriterium der Endoprothetik
nicht aus den Augen zu verlieren: Das Wichtigste bei minimal
invasivem Vorgehen ist es, nicht zweimal operieren zu müssen
denn am wenigsten invasiv ist der Eingriff, der zur längsten
Standzeit der Prothese führt! Als Vorteile des posterolateralen
Zugangs zählte Schandelmaier mehrere Punkte auf: Es handelt
sich um einen einfachen Standardzugang, die Schnittführung
lässt sich wichtig für die Lernkurve schrittweise
verkürzen und im Fall von Problemen auch problemlos intraoperativ
verlängern, der M. gluteus medius bleibt erhalten, M. gluteus
maximus muss ebenfalls nicht angegriffen werden, es treten keine
Sensibilitätsstörungen auf, und schließlich reichen
anders als beim OCM-Zugang, der zwei Assistenten erfordert
ein Operateur und ein Assistent für den Eingriff aus.
Das bei posterioren Zugängen etwas erhöhte Luxationsrisiko
senkt Schandelmaier durch Refixierung der Kapsel. Als einzigen weiteren
Nachteil sah er das erschwerte Bestimmen der Pfannenposition, weil
die Übersicht fehlt aber dieses Manko teilen sich sämtliche
minimal invasiven Zugänge. Gute Langzeitstabilität
ist das Entscheidende gehen Sie deshalb keine Kompromisse
hinsichtlich der Pfannenpositionierung wegen minimal invasiver Techniken
ein, warnte Schandelmaier. Operieren Sie nicht minimal
invasiv, sondern so invasiv wie nötig! Statt mit einer
einzigen mit zwei Inzisionen ans Ziel auch dieser Weg kann
Erfolg bringen. Der Unfallchirurg Prof. Dr. Thomas Klestil,
Innsbruck,
ist ein Verfechter der 2-incision-technique. Dabei wird
über einen modifizierten vorderen Zugang zunächst die
Pfanne implantiert sowie das proximale Femur bearbeitet, ehe über
den zweiten, hinteren Zugang der Schaft eingeschlagen wird. Klestil
hat allerdings seit Anfang 2003 erst 37 Patienten mit dieser Technik
operiert, da er sehr noch streng selektiert. Seit kurzem setzt er
zusätzlich ein Navigationssystem ein.
Prof. Dr. Werner
Hein, Halle, erläuterte das minimal invasive Vorgehen an seiner
Universitätsklinik. Nach Versuchen mit einem anterioren Zugang,
die wegen häufiger Nervenirritationen abgebrochen wurden, hat
Hein sich nun auf den von Dr. Röttinger propagierten Zugang
verlegt, wobei allerdings in Halle der Patient in Rückenlage
gelagert wird möglich wird dies durch eine komplette
Resektion der Hüftkapsel. Hein legte in seinem Vortrag das
Augenmerk besonders auf die den Langzeitverlauf. Wir halten
die Benutzung eines einzigen Prothesenmodells für alle Patienten
heute nicht mehr für akzeptabel, sagte er. Vor allem
jüngere Patienten müssen individuell und so gewebesparend
wie möglich versorgt werden, um Reserven für Wechseloperationen
zu erhalten. Hein selbst bevorzugt für 40- bis 70jährige
beim Ersteingriff deswegen inzwischen die Mayo-Hüfte, erklärte
er. Denn die optimale Implantatfolge sei für sie genauso wichtig
wie technisch einwandfreies Operieren.
Nicht jede Hüftoperation
findet allerdings bei jungen, gesunden nur von Arthrose
geplagten Patienten statt es gibt auch immer noch Problemhüften.
Über solche, insbesondere dysplastische Hüften und infizierte
Prothesen, wurde in der nachfolgenden Sitzung diskutiert. Aktuelle
Standards zur Behandlung der Dysplasiehüfte stellte Dr. Mark
Spangehl, Mayo-Clinik Scottsdale/Arizona, vor. In Abhängigkeit
von der Crowe-Klassifikation, die die Hüftdysplasie anhand
des Ausmaßes der Subluxation des Hüftkopfes einteilt,
präsentierte Spangehl die therapeutischen Optionen. Ziel in
der Acetabulumregion ist es, das anatomische Hüftzentrum möglichst
wiederherzustellen, was eventuell die Verwendung von autologem Knochenmaterial
aus dem Femurkopf erfordert. Am Femur ist ein Schaft zu verwenden,
der der engen Metaphyse gerecht wird, und darauf zu achten, dass
keine exzessive Anteversion entsteht. Ob zementierte
oder unzementierte Schäfte eingesetzt werden, hängt von
der Knochenqualität, dem Alter des Patienten und seinen anatomischen
Verhältnissen sowie von der Philosophie des Operateurs
ab, sagte Spangehl. Die Weichteile erfordern oft ein ausgedehntes
Release; vermieden werden sollte die übermäßige
Beinverlängerung. Insgesamt, so unterstrich Spangehl, ist die
Endoprothetik an der Dysplasiehüfte eine anspruchsvolle Aufgabe,
denn sie umfasst viele Prinzipien der rekonstruktiven Orthopädie.
Sollte man eine
septische Hüfte ein- oder zweizeitig sanieren? In zwei Abschnitten,
würden wohl die meisten Chirurgen sagen. Nicht so Dr. Thorsten
Gehrke von der Endoklinik Hamburg. Wenn klinisch der Verdacht auf
eine periprothetische Infektion besteht, wird nach dem Röntgen
als diagnostisches Mittel der Wahl stets punktiert. Auf 6000 Punktionen
pro Jahr bringt es die Endo-Klinik, da dort jeder Patient, der zur
Prothesenrevision kommt, punktiert wird. Der mit der Endoklinik
zusammenarbeitende Mikrobiologe diagnostiziert nicht nur den Keim,
sondern gibt konkrete Behandlungsempfehlungen ab. Steht die Diagnose,
wird die Prothese gewechselt. Die Mehrzahl der jährlich gut
300 septischen Wechseleingriffe an der Endoklinik erfolgt inzwischen
einzeitig, sagte Gehrke. Voraussetzungen für das einzeitige
Vorgehen sind erstens ein identifizierter Keim und zweitens die
Möglichkeit, antibiotikahaltigen Zement einzusetzen, dessen
Antibiotikabeimengung individuell auf die Empfindlichkeit des Keims
abgestimmt wird. Der wichtigste Schritt besteht im kompletten Entfernen
nicht nur sämtlichen Fremdmaterials, sondern auch allen toten
Knochengewebes. Die drei Geheimnisse des septischen Wechsels
sind Radikalität, Radikalität, Radikalität,
sagte Gehrke. Anschließend werden über mehrere Wochen
Antibiotika i.v. verabreicht. Mit dieser Radikalität kommt
man in Hamburg auf Ergebnisse, die denen des zweizeitigen Wechsels
nicht nachstehen: Bei den 2002 nachuntersuchten Patienten erreichte
die Endoklinik bei 89% eine Überlebenszeit der Prothese von
zehn Jahren oder mehr. Die besten in der Literatur auffindbaren
Ergebnisse des zweizeitigen Wechsels kommen auf 92%.
Gegen diese
Daten hatte Dr. Mark Spangehl, Scottsdale, einen schweren Stand
mit seinem Plädoyer für den zweizeitigen Wechsel. In Arizona
wir die infizierte Prothese entfernt, dann ein Prostalac-Spacer
als Plathhalter für die neue Prothese eingesetzt. Das operative
Vorgehen, die komplette Entfernung allen infizierten Materials und
das Einbringen von antibiotischem Zement, ist das gleiche wie in
Hamburg. Auch die sechswöchige intravenöse Antibiotikagabe
wird beiderorts angeordnet. Der Spacer, der selbst eine Gelenkfunktion
aufweist, verbleibt für 12 Wochen an Ort und Stelle, zwei bis
vier Wochen wird er durch einen Gips geschützt. Nach sechs
Wochen darf der Patient voll belasten. Bei bisher 30 eingesetzten
Spacern mit Gelenkfunktion konnte 29mal erfolgreich das Zweitimplantat
gesetzt werden; der zuvor verwendete statische Spacer erbrachte
geringfügig schlechtere Ergebnisse. Als Vorteile des zweizeitigen
Wechsels sah Spangehl die höhere Antibiotikakonzentration im
Zement sowie die Chance, zweimal ein Debridement durchführen
zu können. In der Diskussion wurde die zweizeitige Sanierung
mit Spacer eher kritisch gesehen zum einen machten viele
Spacer Unruhe im Infektgebiet, der Prostalac-Spacer hingegen ähnele
einer Prothese und sei in Europa auch ebenso teuer wie eine
solche, so dass man hier eigentlich zwei einzeitige Wechsel
durchführe, wie Prof. Hein formulierte.
Dass der primäre
Hüftgelenkersatz trotz seiner jahrzehntelangen Etablierung
immer noch Anlass zu Meinungsverschiedenheiten bietet, wurde in
einer Pro- und Contra-Sitzung deutlich. Schaftverankerung bei über
70 Jahre alten Patienten? Zementiert ist Standard, sagte
Dr. Bernard Morrey. Mehr Komplikationen bei zementfreien Schäften,
höhere Kosten, 83% versus 93% Zehnjahres-Überleben der
Prothese es gibt keine Rechtfertigung für unzementierte
Schäfte bei Älteren! Demgegenüber argumentierte
Prof. Burkhard Wippermann mit Standzeiten von 99,5% nach 10 und
nach 15 Jahren für unzementierte Schäfte bei über
65jährigen im eigenen Hildesheimer Krankengut. Auch Pieringer
habe 2003 im Journal of Bone and Joint Surgery bei über 100
Senioren jenseits des 80. Lebensjahres ausgezeichnete Ergebnisse
erzielt. Fazit der Debatte: Zementierte und unzementierte Schäfte
funktionieren bei Senioren gleich gut, die zementierten sind aber
etwas preisgünstiger.
Auch zum Thema
Oberflächenersatz gab es gegensätzliche Ansichten. Die
Propriozeption bleibt erhalten, der Wechsel zum totalen Hüftgelenkersatz
ist einfach, ein großer Hüftkopf gewährleistet einen
großen Bewegungsumfang, bei 28mm Metall/Metall-Gleitpaarung
gibt es wenig Abrieb die Oberflächenersatz ist effektiv,
kostensparend und die Therapie der Wahl für Jüngere!
so Professor Antonio Moroni. Aber eine Prozedur darf nicht
nur in der Hand des Erfahrenen effektiv sein und außerdem:
Was passiert mit dem Knochen unter der Kappe? Wo sind die validen
Langzeitergebnisse? Die Metall/Metall-Paarung ist zweifellos attraktiv
aber auch der Metallionenanstieg im Blut ist erwiesen? Welche
Auswirkungen hat das langfristig bei jungen Patienten? Und sollte
man diesen Patienten wirklich jeden Sport erlauben? Mit dieser
Serie von Fragen konterte Dr. Morrey und das Auditorium blieb
unentschieden. Hinterer versus vorderer Zugang obwohl zuvor
ausgiebig beleuchtet, wurde auch diese Frage noch kontrovers präsentiert.
Dr. Spangehl plädierte für den hinteren Zugang
er ist bewährt, erhält die Abduktoren, erzeugt nur selten
heterotope Ossifikationen. Als Nachteil sah er das geringfügig
erhöhte Dislokationsrisiko und schränkte daher ein, bei
neurologisch beeinträchtigten Patienten bevorzuge er den anterolateralen
Zugang, um diese Gefahr zu minimieren. Im Prinzip sei er aber der
Ansicht, jeder Chirurg solle den Zugang wählen, der ihm behage.
Prof. Florian Gottsauner-Wolf hob beim anterioren Zugang folgerichtig
die geringe Luxationstendenz hervor sowie die gute Platzierbarkeit
der Pfanne und die bessere Beinlängenkontrolle. Die Muskelerhaltung
sei bei beiden Zugangswegen etwa gleicht, der anteriore blute allerdings
mehr. Auch er kam zu dem Fazit: Der Operateur soll tun, was
er gelernt hat! Damit war das Auditorium natürlich zufrieden.
Sollen die Patienten
postoperativ die Prothese von Anfang an voll- oder erst teilbelasten?
Dr. Lenz, Leipzig, sprach der Teilbelastung jegliche Berechtigung
ab. Die zementierte Prothese sei ohnehin primär bereits maximal
stabile Fester geht`s nimmer, meint er. Aber
auch bei zementfreien Implantaten spiele die Belastung keine entscheidende
Rolle. Schon das gestreckte Anheben des Beines im Bett belastet
die Hüfte mit dem 1,8fachen des Körpergewichts, und ein
Anheben des Gesäßes zwecks Unterschieben der Bettschüssel
schlägt mit dem 2-3fachen des Körpergewichts zu Buche!
Doch auch sein Kontrahent Dr. Thorsten Gehrke fand keine stichhaltigen
Argumente gegen die Vollbelastung. Er habe keine Studie gefunden,
die nachweisbare Vorteile der Teilbelastung zeige, berichtete er.
In der Praxis tritt sowieso kaum ein Patient unmittelbar postoperativ
voll auf und kaum ein Patient kann später teilbelasten,
wenn ihm nichts mehr weh tut! Als einzige Einschränkung
wurde empfohlen, extreme Rotationen zu vermeiden. Ansonsten kam
auch das Auditorium zu dem Ergebnis, dass der Patient sowieso tut,
was er will und vermeidet, was schmerzt.
Der zweite Tag
der Masterclass stand im Zeichen des Knies Dozent Dr. Siegfried
Hofmann, Stolzalpe, demonstrierte anhand eines ungeschnittenen Operationsvideos
die minimal invasive Implantation einer Knietotalendoprothese. Er
betonte zum einen die lange Lernkurve, die dieser Eingriff erfordere
was sich auch jedem Zuschauer unmittelbar erschloss
und die lange Operationszeit, da jeder bekannte OP-Schritt hier
in mehrere kleine Schritte zerlegt werden muss. Schon der
simple Femurschnitt wird hier in drei Schnitte aufgeteilt,
warnte er. Für die Tibia ist ein komplett neues Instrumentarium
entwickelt worden, da alle Schnitte von der Seite her gesetzt werden.
Hofmann berichtete, derzeit reiche seine OP-Zeit von 80 Minuten
bis 120 Minuten für große Knie, mit einem Mittelwert
von 90 Minuten. Warum benötigt man überhaupt eine solch
aufwendige neue Technik das konventionelle Vorgehen ist doch
sehr erfolgreich? Diese Frage bewegte zahlreiche Zuhörer im
Saal, und auch Hofmann selbst hat sie sich gestellt. Standzeiten
von 95% über 10 und 75% über 15 Jahre, 95% zufriedene
Patienten da scheinen Neuerungen nicht unbedingt vonnöten.
Dennoch gebe es in den großen Studien stets etwa 15% unzufriedene
Patienten, sagte Hofmann. Die Gründe dafür seien z.B.
Malalignment oder Instabilität, insgesamt liege bei 90% aller
Revisionen der Fehler bei der Primärimplantation, also beim
Chirurgen. Implantatschäden schlügen nur mit 10% zu Buche.
Fraglich sei allerdings, ob sich derartige Probleme bei einer Ausweitung
des minimal invasiven Kniegelenkersatzes nicht häufen werden
Skeptiker wie David Hungerford vermuten dies. Hofmann erklärte,
während der Lernkurve sei auf jeden Fall mit einer erhöhten
Komplikationsrate zu rechnen; erforderte für derart komplizierte
Eingriffe eine Spezialisierung: Für kleinere Kliniken
ist das nicht geeignet. Eine weitere derzeit noch offene Frage
ist, wie lange der Benefit des minimal invasiven Operierens anhält.
Die kürzere Hospitalisation und die raschere Rehabilitation
stehen außer Frage aber bringt die MIS am Knie auch
über die ersten sechs Wochen hinaus noch einen Vorteil? Das
weiß noch niemand, meinte Prof. Hein dazu gibt
es noch keine Daten. Hofmann vermutet einen länger anhaltenden
Gewinn, weil die Propriozeption weniger beeinträchtigt wird.
Sie ist am Streckapparat des Knies wesentlich komplizierter als
an der Hüfte. Der elektrophysiologische Nachweis einer erhaltenen
Propriozeption steht aber noch aus, räumte Hofmann ein. Insgesamt
überwogen in Hildesheim die skeptischen Kommentare zur MIS
am Knie. 90% aller Fehler bei der Knieendoprothetik sind OP-Fehler,
und die werden nicht weniger, wenn wir die Sicht verringern,
knurrte beispielsweise Prof. Hein. Auch Prof. Wippermann bremste
jegliche Euphorie und mahnte zur Vorsicht. Am Knie ist die
Situation anders als an der Hüfte dort kann man auch
minimal invasiv so operieren, dass es sicher für den Patienten
ist!.
Durch die minimal
invasiven Verfahren hat die unikondyläre Schlittenprothese
eine deutliche Renaissance erlebt, konstatierte Dr. Ingo Schumacher,
Sommerfeld. Zuvor war sie wegen kurzer Standzeiten z.B. des Kirschner-Schlittens
nur 54% funktionierten nach 10 Jahren noch in Verruf
geraten. Als Gründe für die damaligen schlechten Ergebnisse
hat Schumacher eine fehlerhafte Ausweitung der Indikation ausgemacht
sowie die Tatsache, dass die unikondyläre Prothese OP-Fehler
schlecht verzeiht und dann viel Abrieb produziert. Als Vorteile
sieht Schumacher den geringen Blutverlust, die Schonung von Weichteilen
und Knochen, sowie den besseren Erhalt der Propriozeption. Bei erfahrenen
Operateuren habe der unikondyläre Schlitten zudem die gleichen
Standzeiten wie eine Totalendoprothese und die geringste Patellaproblematik.
Das minimal invasive Vorgehen bei der unikondylären Prothese
ermöglicht laut Schumacher eine Schonung aller Strukturen,
insbesondere des propriozeptiven Systems. Das Hauptproblem
besteht in der mangelnden Übersicht und damit der drohenden
Fehlpositionierung der Prothesenkomponenten. Um dies zu vermeiden,
kontrolliert Schumacher bei eingesetzter Probeprothese mit dem Röntgen-BV.
Was kann man
tun, wenn das Knie nach Einsetzen einer TEP weiterhin schmerzt?
Etwa 10 bis 25% der Patienten sind deswegen mit dem Operationsergebnis
unzufrieden, berichtete Dr. Spangehl, Scottsdale. Die Röntgenbilder
der Betroffenen sehen meist tadellos aus, weshalb dieser Zustand
in den Vereinigten Staaten als looks good, feels bad
charakterisiert wird. Spangehl versuchte, den Ursachen auf die Spur
zu kommen. Zum einen sind da extrinsische Gründe, wie Hüftprobleme,
L3-Wurzelreizungen, Claudicatio aufgrund einer peripheren arteriellen
Verschlusskrankheit sowie unrealistische Erwartungen des Patienten
an die Prothese. Intrinsische Ursachen können im Knie selbst
als auch in den umgebenden Strukturen wie z.B. der Bursa liegen.
Lokalisation, Schweregrad des Schmerzes und Zeitpunkt des Beginns
können Anhaltspunkte über die Ursache der Beschwerden
liefern. Bildgebende Verfahren folgen als nächster Schritt.
Die intraartikuläre Injektion von Bupivacain hilft, intrinsische
von extrinsischen Ursachen zu trennen. Instabile Knie sind gut beweglich,
aber Treppensteigen funktioniert schlecht. Zu große Implantate
verursachen diffuse Schmerzen, die bei körperlicher Aktivität
zunehmen. Malrotationen sind wohl für die Mehrzahl der nicht
eindeutig diagnostizierten Knieschmerzen verantwortlich, vermutete
Spangehl. Sie verursachen ein breites Spektrum von Komplikationen.
Patella-Impingementverursacht einen drückenden Schmerz über
der Patella, der bei Aktivitäten zunimmt, die patellaren Stress
hervorrufen, wie z.B. Aufstehen vom Stuhl oder Treppensteigen. Geht
man sorgfältig und schrittweise allen möglichen Ursachen
für die Beschwerden auf den Grund, so bleibt ein looks
good, feels bad- Knie die absolute Ausnahme, schlussfolgerte
Spangehl.
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