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In
Freiburg wurde deutschlandweit das erste permanente
Kunstherz vom Typ Jarvik 2000 implantiert
von Dr. med. Jochen Kubitschek
Am
16. Mai hat ein Ärzteteam des Universitätsklinikums Freiburg unter
Leitung von Prof. Dr. Friedhelm Beyersdorf, dem Ärztlichen
Direktor der Abteilung Herz- und Gefäßchirurgie, erstmals in Deutschland
ein neuartiges permanentes, mechanisches Kunstherz implantiert. Mit dem Stecker im Ohr:
das autarke, daumengroße System kann pro Minute
6 Liter Blut fördern. Bei dem Patienten handelte es
sich um einen 59jährigen Mann mit lebensbedrohlichem
Herzversagen aufgrund einer chronischen Herzmuskelerkrankung.
Der Patient musste zuletzt auf der Intensivstation behandelt werden.
Nur durch Infusion hochwirksamer Medikamente zur Kreislaufunterstützung
konnte er am Leben erhalten werden.
Die
allgemein als "Kunstherz" bezeichneten Kreislaufunterstützungssysteme
sind fast ausschließlich Blutpumpen, die zur Unterstützung des
eigenen Herzens eingesetzt werden. Dabei wird die Pumpe unter
die Bauchdecke implantiert und durch
Schläuche mit dem Herzen verbunden. "Echte Kunstherzen",
die nach Entfernung des eigenen Herzens eingepflanzt werden, sind
bisher nur in Einzelfällen zur Anwendung gekommen und konnten
sich wegen zahlreicher Probleme nicht durchsetzen. Bei dem neuen
System handelt es sich um eine etwa daumengroße, elektrisch angetriebene
Turbine, die direkt in die Spitze der linken Herzkammer eingebracht
wird. Die Pumpe arbeitet mit einer Drehzahl von 8.000-12.000 Umdrehungen
pro Minute und kann bis zu 6 Liter Blut pro Minute fördern. Das
Blut wird von der linken Herzkammer über ein künstliches Blutgefäß
von etwa 10 cm Länge in die Hauptschlagader gepumpt.
Die
ganze Pumpe wiegt weniger als 100 g. Antrieb und Steuerung erfolgen
über ein dünnes Kabel, das unter der Haut bis hinter das linke
Ohr geleitet wird und in einem kleinen, unter dem Haar nicht sichtbaren
Stecker endet. Dort wird es mit dem Batteriekabel
verbunden, die Batterien selbst trägt der Patient in einer
kleinen Umhängetasche.
Die
Ausleitung des Steuerkabels aus der Kopfhaut hat den Vorteil,
dass eine Infektion des Systems praktisch ausgeschlossen ist,
ganz im Gegensatz zu den bisher verwendeten Kreislaufpumpen,
deren Antriebskabel aus der Bauchdecke herausgeführt wurden.
Das
System mit dem Namen "Jarvik 2000" wurde am Texas
Heart Institute in Houston/Texas entwickelt. Das Implantationsteam
der Freiburger Universität hatte zuvor in Houston einen Trainingskurs
absolviert und sich mit allen Details der Operation und Nachbetreuung
vertraut gemacht. Der vierstündige Eingriff verlief völlig problemlos.
Am nächsten Morgen war der Patient bereits aus
der Narkose erwacht und begann, sich mit der Handhabung seiner
Pumpe vertraut zu machen.
Die
Einführung des "Jarvik 2000" ist ein bedeutender
Schritt in der Behandlung der schweren Herzinsuffizienz. Bislang
kann den schwerkranken Patienten dauerhaft nur durch eine Herztransplantation
geholfen werden. Leider steht aufgrund des Mangels an Spenderorganen
diese Behandlung nicht allen Patienten rechtzeitig zur Verfügung.
In Deutschland können maximal 400-500 Herztransplantation pro
Jahr durchgeführt werden, die Wartezeit beträgt derzeit 1 - 1,5
Jahre.
Mechanische
Kreislaufunterstützungssysteme, meist auch als "Kunstherz"
bezeichnet, sind
derzeit nur als Überbrückung bis zur Herztransplantation zugelassen,
da es nach einigen Monaten gehäuft zu Komplikationen, wie z.B.
Infektionen oder Schlaganfällen, kommen kann. Das neue System
dürfte die Sicherheit auch für eine längerfristige Kreislaufunterstützung
wesentlich verbessern und könnte in der Zukunft eine echte Alternative
zur Herztransplantation eröffnen.
Kontakt:
Prof. Dr. Friedhelm Beyersdorf
Ärztlicher Direktor Herz-Kreislauf-Zentrum Freiburg –
Abt. Herz- und Gefäßchirurgie -
Hugstetter Str. 55, D-79106 Freiburg
Telefon: 0761
/ 270-2818 + 270-8888,
Telefax: 0761 / 270-2550 + 270-2788
e-mail: beyers@ch11.ukl.uni-freiburg.de
Homepage: http://herzchirurgie.ukl.uni-freiburg.de
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