Quelle:
Fachblatt The Lancet
Das neuen Medikamenten von Patienten und Ärzten gleichermaßen
entgegen gebrachte Vertrauen ist nach Meinung von Experten generell
nicht gerechtfertigt.
Wie
beim jetzt vom Markt zurückgezogenen Merck-Medikament
VIOXX ® basiert die Zulassung oft auf wissenschaftlichen
Studien, die unter Einschluß viel zu kleiner Patientenkollektive
durchgeführt worden sind. Erst die Langzeit-Massenanwendung
unter normalen Praxisbedingungen ist in der Lage, die
meisten Nebenwirkungen aufzudecken.
In
einem Editorial erinnerte die renommierte englische Mediziner-Fachzeitung
The Lancet kürzlich daran, daß neu zugelassene Medikamente
generell nicht das Vertrauen verdienen, das ihnen von Ärzten
und Patienten gleichermaßen entgegen gebracht wird. Die in der
letzten Woche vom Pharmaunternehmen MSD SHARP und DOHME
bekannt gegebene Rücknahme des bei Rheuma eingesetzten Cox-2-Hemmers
VIOXX ® ist nach Meinung von Lancet hierfür ein
gutes Beispiel.
Als das Medikament zugelassen wurde, konnten die Zulassungsbehörden
lediglich auf Erfahrungen zurückgreifen, die bei etwa 5.000
Patienten zusammen getragen worden waren – eine viel zu kleine
Zahl, um unerwünschte Nebenwirkungen zu entdecken. Bis zum Zeitpunkt
der freiwilligen Rücknahme des Medikaments hatten hingegen 2
Millionen Patienten das gerne als „Super-Aspirin“ beworbene
Medikament unter typischen Praxisbedingungen eingenommen.
Erst
im Verlauf der massenhaften Anwendung bei einem unausgewählten
Patientenkollektiv zeigte sich, daß VIOXX ® das Herz-Kreislaufrisiko
deutlich erhöht. Modellrechnungen haben gezeigt, dass
bis zu 27.000 Herzinfarklttodesfälle
auf die Einnahme von VIOXX ® zurückzuführen sein könnten.
Die Rücknahme des Medikaments bedeutet für Merck & Co. eine
schwere wirtschaftliche Belastung. Allein in 2003 spülte das
Medikament rund 2.5 Milliarden US-Dollar in die Kassen des weltweit
operierenden Unternehmens.
Dr.
med. Jochen Kubitschek