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Quelle:
Fachblatt The Lancet
Schwere
Kopfverletzungen: Weltweit übliche medikamentöse Routinetherapie
erhöht das Sterberisiko
Etwa
drei Millionen Menschen sterben weltweit pro Jahr an den Folgen
eines schweren Unfalls. Viele davon nachdem sie in einem Krankenhaus
eingetroffen sind, bzw. nachdem die übliche Notfallbehandlung
eingeleitet wurde. Bei einem schweren Schädeltrauma wird
seit etwa drei Jahrzehnten auch in Deutschland routinemäßig ein
entzündungshemmendes Medikament aus der Familie der Kortisonabkömmlinge
injiziert.
Der
Sinn dieser Behandlungsmaßnahme wird nun durch eine Studie (CRASH-Studie
= corticoid randomization after significant head injury)
in Frage gestellt, die an 239 Kliniken in 49 Ländern durchgeführt
und im englischen Mediziner-Fachblatt The Lancet veröffentlicht
wurde.
Dabei
fanden die Forscher um den Koordinator der Studie, Professor
Ian Roberts, London, nach der Auswertung der Daten von rund
10.000 Patienten heraus, daß Unfallopfer die mit einem Kortisonpräparat
behandelt wurden im Vergleich zu den mit einem Scheinmedikament
therapierten Studienteilnehmern innerhalb von zwei Wochen ein
um 20% erhöhtes Sterberisiko hatten. Dies legt den Verdacht nahe,
daß im Lauf der Jahre viele tausend Menschen an den Folgen der
Therapie und nicht an den eigentlichen Folgen des Unfalls verstorben
sind.
Damit
konnte jetzt erstaunlich eindeutig belegt werden, daß die routinemäßige
Gabe eines Kortisonpräparates offenbar auf nicht zutreffenden
Vorstellungen über die Stoffwechselfolgen eines schweren Schädel-Hirntraumas
beruht.
In
einem Kommentar schrieb daher auch Dr. Stefan Sauerland von
der Uni-Klinik Köln in Lancet, daß die Anwendung logisch
erscheinender - aber in ihrem Nutzen ungeklärter Therapien - mit
einem Blindflug zu vergleichen ist. Für die Zukunft mahnt Sauerland
an, daß sich die Ärzte unbedingt davor hüten sollten den Wert
unzureichend konzipierter klinischer Studien überzubewerten.
Dr.
med. Jochen Kubitschek
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