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Quelle: British Medical Journal

 

Zurück in die Zukunft: traditionelle Schmerzmittel wie das Aspirin bekommen aufgrund des Versagens der zu „Super-Aspirin“ hochgejubelten COX-2-Hemmer eine neue Chance

von Jochen Kubitschek


Eine im "British Medical Journal" publizierte Studie erbrachte den Beweis, daß die als besonders magenfreundlich beworbenen Schmerzmittel aus der Familie der COX-2-Hemmer tatsächlich bei vielen Patienten Magen- und Darmreizungen auslösen.

Experten sind daher der Meinung, daß es medizinisch und wirtschaftlich bei Schmerzen sinnvoll ist, auf den Einsatz der teuren COX-2-Hemmer ganz zu verzichten und wieder - wie in der Vergangenheit üblich - den preisgünstigen Schmerzmitteln vom Typ des Aspirin den Vorzug zu geben. Kombiniert man diese bewährten Medikamente nämlich mit Tabletten die die Magen-Darmschleimhaut schützen, so können Magengeschwüre ohne großen Aufwand zuverlässig verhütet werden.


Kurz vor Weihnachten berichtete das „Deutsche Ärzteblatt“ im Zusammenhang mit den ins Zwielicht geratenen Schmerzmitteln aus der Familie der als „Super-Aspirin“ hochgejubelten COX-2-Hemmer über einen erneuten Fall von Wissenschaftsbetrug. Ausgerechnet in jener im Jahr 2000 veröffentlichten Studie, die die Überlegenheit von Rofecoxib (Vioxx® ) im Vergleich zu einem herkömmlichen Schmerzmittel (Naproxen) beweisen sollte, hatten die Autoren offenbar mehrere nach Einnahme dieses Medikaments beobachtete Herzinfarkte verschwiegen und entsprechende Daten von der Text-Diskette gelöscht.


In der Vioxx-Gastrointestinal-Outcomes Research (VIGOR)-Studie ging es in erster Linie darum zu beweisen, daß die neuen COX-2-Hemmer deutlich weniger Magengeschwüre verursachen als ihre Vorgänger aus der Aspirin-Familie – die sog. Nichtsteroidalen Antirheumatika.


Gaukelte Datenmanipulation die Magenfreundlichkeit nur vor?


In der Tat schnitt damals das mittlerweile aufgrund der später bewiesenen Herzkomplikationen vom Markt verbannte Vioxx ® besser als das Naproxen (in Deutschland unter anderem als Proxen ® auf dem Markt) ab. Doch viele Wissenschaftler hatten seither Zweifel an der Aussagekraft der Studie, bzw. der angeblichen Magenfreundlichkeit der COX-2-Hemmer. Mittlerweile haben sich diese Zweifel als berechtigt erwiesen.

In einer kürzlich im „British Medical Journal“ veröffentlichten Studie wurden 9.407 unter Magengeschwüren und –blutungen leidende Schmerzpatienten mit 89.000 magengesunden Leidensgenossen verglichen. Dabei zeigte sich nach der Bewertung der leitenden Wissenschaftlerin, Julia Hippisley-Cox von der Universität von Nottingham in England, daß die mit den COX-2-Hemmern Vioxx ® und Bextra ® behandelten Patienten ähnlich viele Magen-Darmkomplikationen entwickelten, wie die Kranken die die viel preisgünstigeren traditionellen Schmerzmittel aus der Aspirin-Familie eingenommen hatten.

Wenn es um Magengeschwüre geht, sind alle Schmerzmittel mit Vorsicht zu genießen


„Alles in allem fanden wir nicht den geringsten Beweis dafür, daß die neuen COX-2-Hemmer in Bezug auf das Risiko für Magen-Darmblutungen im Vergleich zu den traditionellen nicht-steroidalen Antirheumatika die Sicherheit erhöhen“, faßte Hippisley-Cox die Studienergebnisse nüchtern zusammen. Sie entzog damit dem zukünftigen Einsatz der teuren Medikamente die letzte rationale Begründung.

Das ist ein herber Schlag für die Hersteller der angeblichen „Super-Aspirine“. Allein im Jahr 2004 verhalf der COX-2-Hemmer Bextra ® der Herstellerfirma Pfizer zu einem satten Umsatzplus von 1.3 Milliarden Dollar. Daß die COX-2-Hemmer trotz früher Hinweise auf ein erhöhtes Herz-Kreislaufrisiko überhaupt weiter verordnet wurden lag in erster Linie an der von den Herstellern aufgestellten Behauptung, daß Medikamente wie Vioxx ® und Bextra ® generell eine sehr gute Magen-Darm-Verträglichkeit haben und somit das Risiko für Magen- und Darmgeschwüre nicht erhöhen. Dies wäre in der Tat ein wichtiges Argument wenn man bedenkt, daß allein in den USA pro Jahr mehr als 16.000 Menschen an den entsprechenden Magen-Darmkomplikationen sterben.


Magengeschwüre lassen sich leicht und kostengünstig durch Kombi-Therapie verhindern


Zieht man nun den hohen Preis und das erhöhte Herz-Kreislaufrisiko der COX-2-Hemmer mit in Betracht, so spricht mittlerweile überhaupt nichts mehr dafür, Aspirin & Co. durch COX-2-Hemmer zu ersetzen. Der von einigen Pharmaunternehmen propagierte Ersatz des billigen Aspirins durch die moderneren COX-2-Hemmer macht aber auch deshalb wenig Sinn, da sich das Risiko für Magengeschwüre relativ leicht und kostengünstig nahezu vollständig durch die gleichzeitige Verordnung von Magenschutztabletten aus der Gruppe der Protonenpumpenhemmer ausgleichen läßt.

In einem ersten Kommentar bezeichnete der Arzneimittel-Experte Dr. A. Mark Fendri von der Universität von Michigan die Kombination der preiswerten traditionellen Schmerzmittel wie Aspirin mit einem magenschonenden Protonenpumpenhemmer als eine „Zurück-in-die Zukunft-Kombination“ und gab den verunsicherten Ärzten und Patienten einen pragmatischen Rat: „Anstatt neue Medikamente zu benutzen, die angeblich die Magen-Darmrisiken vermindern, sollte man lieber die traditionellen Schmerzmittel der NSAR-Gruppe mit einem Wirkstoff kombinieren, der tatsächlich den Magen schützt.“

 


 

 


 

 

 

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(13.12.2009)
 

  

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