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Quelle:
Am J Gastroenterol
Schmerzmittel:
Cox-2-Hemmer sind in Bezug auf
Magen-Darmkomplikationen ebenso gefährlich wie die traditionellen
Schmerzkiller aus der
„Aspirin-Familie“.
Von Dr. med. Jochen Kubitschek
Die freiverkäuflichen, klassischen Schmerzmittel aus der „Aspirin-Familie“
werden weltweit Jahr für Jahr wie eine Art „Volksnahrungsmittel“
in riesigen Mengen konsumiert. Insbesondere Rheumatiker und andere
unter Gelenkbeschwerden leidende Kranke nehmen diese sog. nicht-steroidalen
Antiphlogistika in hohen Dosierungen und über lange Zeit ein.
Während viele Patienten Aspirin & Co. gut vertragen, bekommen
andere Menschen schnell Magen- und Darmblutungen die besonders
bei alten Menschen oft so spät erkannt werden, dass es zu lebensbedrohlichen
Blutungen kommt. Jahr für Jahr sterben weltweit viele tausend
Patienten nach der Einnahme von Aspirin.
Dies war die erschreckende Ausgangslage für die Entwicklung der
sog. Cox-2-Hemmer die bei gleicher Fähigkeit zur Schmerzlinderung
angeblich die Magenschleimhaut schonen sollten. Als die Cox-2-Hemmer
schließlich auf den Markt kamen wurden sie schnell zu sog. „Blockbustern“
– zu Medikamenten also, mit denen die Pharmafirmen Milliardenumsätze
erzielten. Doch die Euphorie und die guten Umsätze hielten nicht
lange an, da es sich schnell zeigte, dass die Einnahme von Cox-2-Hemmern
nicht nur zu gefährlichen Herzerkrankungen führte, sondern ausgerechnet
auch zu jenen Magengeschwüren, die durch diese Wirkstoffe eigentlich
ganz vermieden werden sollten.
Nun hat eine dänische Forschergruppe um R. W. Thomsen am Aarhus
University Hospital die Daten von 2.061 Patienten analysiert,
die aufgrund eines durchgebrochenen Magengeschwürs in stationäre
Behandlung aufgenommen worden waren. Von diesen Patienten nahmen
38% zum Zeitpunkt der Erkrankung Schmerzmittel beider Gruppen
ein. In der im American Journal of Gastroenterology veröffentlichten
Untersuchung fanden die Forscher heraus, dass die 30-Tage-Sterblichkeit
insgesamt bei 25% lag. Unter den Nutzern von Schmerzmitteln lag
sie aber sogar bei 35%. Im Vergleich zu Patienten, die nie Schmerzmittel
eingenommen hatten, war die Sterberate nahezu verdoppelt.
Was die Ärzte aber am meisten überraschte war die Tatsache, dass
die 30-Tage-Sterblichkeit bei den Nutzern moderner COX-2-Hemmer
nicht wie erwartet - und von den Herstellern der Medikamente immer
wieder herausgestellt - geringer war als bei den Nutzern der Medikamente
der traditionellen Aspirin-Gruppe. „Dies haben wir nicht erwartet“
sagte einer der Untersucher“.
Auch diese Studie belegt also wieder einmal eindrucksvoll die
beängstigende Beobachtung, dass das bei der Zulassung eines Medikaments
vom jeweiligen Pharmaunternehmen präsentierte Sicherheitsprofil
verblüffend wenig darüber aussagt, wie sich die Langzeiteinnahme
des jeweiligen Wirkstoffs im Alltag - also außerhalb streng kontrollierter
wissenschaftlicher Studien – auf die Gesundheit der Patienten
auswirkt.
Am J Gastroenterol. 2006 Oct 6;
30-Day Mortality After Peptic Ulcer Perforation Among Users
of Newer Selective Cox-2 Inhibitors and Traditional NSAIDs: A
Population-Based Study.
Thomsen RW, Riis A, Munk EM, Norgaard M, Christensen S, Sorensen
HT.
Department of Clinical Epidemiology, Aarhus University Hospital,
Aalborg and Aarhus, Denmark.
OBJECTIVES: Nonsteroidal anti-inflammatory drug (NSAID)
use is a strong risk factor for peptic ulcer perforation, yet
little is known about the outcome of this condition among NSAID
users. We examined 30-day mortality after peptic ulcer perforation
associated with the use of traditional NSAIDs and newer selective
cyclo-oxygenase-2 (COX-2) inhibitors.
METHODS: We conducted a cohort study of patients with the
first hospitalization for peptic ulcer perforation, identified
in discharge registries of three Danish counties between 1991
and 2003. Data on preadmission NSAID use, other ulcer-related
drugs, and comorbidity were likewise from population-based registries.
Mortality was ascertained from the Civil Registration System.
We compared 30-day mortality in NSAID users and nonusers while
adjusting for age, gender, comorbidity, previous uncomplicated
peptic ulcer, and ulcer medication use.
RESULTS: Of the 2,061 patients hospitalized with peptic
ulcer perforation, 38% were current NSAID users. The 30-day mortality
was 25% overall, and 35% among current NSAID users. Compared with
never-use, the adjusted 30-day mortality rate ratios (MRRs) were
1.8 (95% CI 1.4-2.3) for current use of NSAIDs alone and 1.6 (95%
CI 1.2-2.2) for current use combined with other ulcer-associated
drugs.
The mortality increase associated with the use of COX-2 inhibitors
was similar to that of traditional NSAIDs: adjusted MRR for users
of COX-2 inhibitors alone and in combination, 2.0 (1.3-3.1) and
1.4 (0.8-2.5), and for users of traditional NSAIDs alone or in
combination, 1.7 (1.3-2.3) and 1.6 (1.2-2.3).
CONCLUSION: Current use of NSAIDs, including COX-2 inhibitors,
is associated with a poor prognosis for patients hospitalized
with peptic ulcer perforation.
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