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Pollenallergie:
Einige vernünftige Verhaltensregeln und eine frühzeitig einsetzende
spezifische
Immuntherapie (SIT=Hypo-Sensibilisierung) bessern bei Allergikern
den Heuschnupfen
und schützen vor Pollenasthma
Nun ist es wieder so weit: Kaum neigt sich der Winter seinem Ende
zu, beginnen Hunderttausende Pollenallergiker wieder zu niesen
und zu schniefen. Wie viele es exakt sind, weiß niemand so ganz
genau, da nur ein Teil der Betroffenen fachmännische Hilfe in
Anspruch nimmt. Aber eines scheint klar zu sein: die Zahl der
auf Baum- und Graspollen überempfindlich reagierenden Menschen
wird von Jahr zu Jahr größer.
Immer mehr Menschen in Deutschland , der Schweiz und Österreich
erkranken an Allergien – besonders häufig sind Pollenallergien
Dabei handelt es sich auch in den deutschsprachigen Ländern Mitteleuropas
offenbar um einen ungebrochenen Langzeittrend. Das belegt unter
anderem eine hier durchgeführte Untersuchung: Im Jahr 1926 litten
nicht einmal einer von hundert Menschen unter Pollenallergie.
1958 waren es bereits fünf Prozent, und heute liegen die Zahlen
auch in der Schweiz und in Österreich ähnlich hoch wie in Deutschland,
wo die aktuelle Zahl vom Ärzteverband Deutscher Allergologen
auf bis zu 12% der Bevölkerung geschätzt wird. In der ISAAC-Studie
zeigte sich, dass 14% der nahezu 500.000 untersuchten Kinder unter
Heuschnupfen litten.
Die Pollenbelastung unterscheidet sich von Jahr zu Jahr erheblich
In bestimmten Gebieten, bzw. in Jahren mit hoher Pollenbelastung,
kommt es bei den Pollenallergikern bereits Ende Januar/Anfang
Februar zu ersten Kontakten mit Erlen- und Haselpollen. Eine Birke
setzt während der Blütezeit im Frühling bis zu sechs Milliarden
Blütenpollen frei, die nur zwischen fünf und 30 Tausendstel Millimeter
groß und äußerst flugfähig sind. Schon eine leichte Brise transportiert
die Allergene bis 100 Kilometer weit. Der Weltrekord liegt derzeit
bei 7500 Kilometern.
Experten sagen für das Jahr 2006 eine ungewöhnlich hohe Pollenbelastung
voraus, die bei der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft zu
einem nicht kalkulierbaren Störfaktor werden kann.
Erfahrene Allergiker planen ihre Spaziergänge sorgfältig
Und natürlich ist es wünschenswert, wenn ein unter Heuschnupfen
leidender Allergiker bei Spaziergängen einen großen Bogen um blühende
Bäume und Wiesen machen würde. Ebenso sollte es selbstverständlich
sein, den „blühenden“ Rasen nicht eigenhändig zu mähen. Für Urlaubsreisen
eignen sich besonders Ferienorte an der Nord- und Ostsee, auf
abgelegenen Inseln oder im Hochgebirge, da dort die Pollenbelastung
meist niedrig ist.
Allerdings
muß hierbei bedacht werden, dass Pollen oft mit dem Wind Hunderte
von Kilometern zurücklegen können. Der erfahrene Allergiker weiß:
eine 100%ige Sicherheit gibt es auch durch einen Ortswechsel nicht.
Hochwertige Spezialfilter senken im Auto die Pollenbelastung
Im Auto sollte ein Qualitäts-Filter während der Fahrt die Pollen-Belastung
niedrig halten. Vor allem in den frühen Morgenstunden machen die
Pollen jenen Allergikern zu schaffen, die als Pendler zu ihrem
Arbeitsplatz unterwegs sind. Zu dieser Tageszeit ist die Pollen-Konzentration
in der Außenluft meist am höchsten. Immer mehr Autos sind mit
Pollenfiltern ausgestattet, die die meisten Pollen aus der Luft
herausfiltern. Doch nicht alle schaffen das gleich gut.
In welcher Konzentration die Pollen tatsächlich allergische Reaktionen
auslösen, ist von Pollenart zu Pollenart verschieden. Als Schwellenwert
gelten bei Roggen
ca. 10 bis 15, bei Gräsern 50, bei Birken 70 und bei Brennnesseln
150 Polen.
Da Untersuchungen aber gezeigt haben, daß in einem Milliliter
Luft während
der Haupt-Pollensaison rund 3.000 Pollen enthalten sind
kann
man leicht nachvollziehen, daß die angebotenen PKW-Pollenfilter
viel leisten müssen: sie sollen schließlich mehr als 99% der Pollen
und auch kleinere Partikel unterhalb der magischen grenze um 5
µm bis hin zu Staubpartikeln zwischen 0,3 und 0,5 µm ausfiltern.
Längst ist den Experten bekannt, daß auch diese Staub- und Schmutzpartikel
allergische Reaktionen und Reizungen der Atmungsorgane hervorrufen
können.
Pollenallergie führt oft zu einem allergischen Asthma
Da viele Pollenallergiker vergleichsweise milde Krankheitszeichen
aufweisen und daher nicht sehr leiden, wird der sog. „Heuschnupfen“
von Nichtbetroffenen - aber auch von unerfahrenen Ärzten - oft
bagatellisiert. Doch dabei wird aus dem Auge verloren, daß rund
ein Drittel der Allergiker über kurz oder lang ein allergisches
Asthma entwickelt – bei Heuschnupfen-Patienten sprechen die Ärzte
dann von einem "Pollenasthma".
Viele Menschen fragen sich daher in jedem Frühjahr und Sommer,
was sie als Pollenallergiker praktisch tun können, um ihre lästigen
Krankheitssymptome abzumindern. Doch ist eine Allergie erst einmal
ausgebrochen, kann man leider vergleichsweise wenig tun – eine
völlige Heilung durch die Anwendung von reinen Vermeidungsstrategien
ist eher selten.
Wie können Allergiker verhindern, daß auch ihre Kinder krank werden?
Insbesondere allergiebelastete Eltern machen sich Gedanken darüber,
wie sie ihren Kindern das lästige und gelegentlich sogar gefährliche
Leiden ersparen können. Hier haben sich in der letzten Zeit wichtige
Hinweise ergeben, die Bestandteil einer aktiven Lebensplanung
werden können.
Nahezu alle Ärzte sind sich heute darin einig, daß es sehr sinnvoll
ist, Neugeborene in den ersten sechs Monaten ausschließlich mit
Muttermilch zu ernähren. Wenn Kinder erst nach dem sechsten Monat
mit Fremd-Eiweiß zugefüttert werden, und die ersten festen Nahrungsmittel
erst nach dem ersten Geburtstag erhalten, dann wird das Allergierisiko
deutlich abgesenkt. Eine ähnliche Wirkung hat es auch, wenn Kinder
im ersten Lebensjahr mit einem Haustier Kontakt haben.
Allergievermeidung: Zurück zum einfachen Leben?
Da sich einige an sich nicht zu beeinflussende Lebensumstände
als deutliche Risikofaktoren für eine Allergie erwiesen haben,
kann man hieraus zumindest einige Überlegungen ableiten: wenn
hoher Sozialstatus, Leben in der Großstadt, wenige Geschwister
und das Vorhandensein einer Zentralheizung die Wahrscheinlichkeit,
an einer Allergie zu erkranken, erhöhen, so ist es nur logisch,
wenn man für seine Kinder im Rahmen des Möglichen ein Leben anstrebt,
in dem sie viel Kontakt zu anderen Kindern und Tieren haben, das
nicht von übertriebenen Hygieneregeln bestimmt und eingeengt ist
und das vielleicht auch den zu häufigen Kontakt mit Einrichtungen
des Gesundheitswesens eher vermeidet. Denn hier gilt nicht: Viel
hilft viel......
Übertriebene Furcht vor seltenen Krankheitskomplikationen und
der Hygienefimmel einiger Mütter schwächen das kindliche Immunsystem
Nun sind natürlich die Routine-Besuche beim Kinderarzt nicht an
sich schädlich – allerdings führt gelegentlich eine „unheilige
Allianz“ zwischen überbesorgten Müttern und allzu willfährigen
Ärzten dazu, daß beim Nachwuchs ein Fieber viel zu früh bzw. unnötigerweise
gesenkt wird und manche harmlose Virusinfektion mit unwirksamen
Antibiotika behandelt wird. Dieser sinnlose medizinische „overkill“
behindert eine Stärkung des körpereigenen Immunsystems und fördert
so eventuell die Entstehung von Allergien.
Heute denkt mancher Allergologe bereits darüber nach, Allergiker
mit für den Menschen unschädlichen Würmern künstlich zu „infizieren“,
um das Immunsystem zu reizen und damit zu aktivieren. Dadurch
wird erhofft, daß sich das körpereigene Abwehrsystem durch den
Kontakt mit den harmlosen Parasiten „sinnvolleren“ Tätigkeiten
zuwendet als der Bekämpfung harmloser Birken- und Gräser-Pollen
„um jeden Preis“.
Ein Schmutzfink hat ein niedriges Allergierisiko
In diesem Licht betrachtet drängt sich natürlich auch die Frage
auf, ob die übliche Bekämpfung der bei Kindern vorkommenden Wurmerkrankungen
wirklich eine so gute Idee ist. Sicherlich unzulässig vereinfacht
könnte man somit sagen: Kinder, die ständig im Freien mit Hunden
herumtollen und mit ihren Freunden „im Dreck wühlen“, bekommen
keine Allergie.
Ist die Pollenallergie aber erst einmal ausgebrochen, so kann
es in erster Linie nur noch um Schadensbegrenzung gehen. Aufgrund
der Vorwarnungen des örtlich verfügbaren Pollenflug-Warndienstes
können sich die Allergiker rechtzeitig auf den lokal drohenden
Pollenflug vorbereiten. Von Allergie-Spezialisten wird den in
der Stadt lebenden Pollenallergikern außerdem geraten, bei geschlossenem
Fenster zu schlafen und am Abend die Haare zu waschen, um aufgelagerte
Baum-Pollen zu entfernen.
Pollen sind überall – verstecken nützt nichts
Verstecken nützt bei einer Pollenallergie nichts: die winzigen
Allergene können überall lauern. Bereits 20 Pollen pro Kubikmeter
Luft reichen bei einigen Allergien aus, um die Über-Reaktionen
des Immunsystems auszulösen. Aber nicht nur die Atemwegsorgane
sind ein Einfallstor für die gefährlichen Allergene. Auch Kreuzreaktionen
bestimmter Früchte und Gemüse machen vielen Pollenallergikern
das Leben schwer. So sollten Baumpollenallergiker etwa Äpfel,
Nüsse, Nektarinen, Pfirsiche, rohe Karotten, Sellerie und Kiwis
eher meiden. Eine gewisse Vorsicht ist auch bei Kosmetik- und
Waschartikeln geboten, die Fruchtextrakte enthalten.
Eine spezifische Immuntherapie sollte frühzeitig begonnen werden
Helfen diese vernünftigen Vorbeugemaßnahmen nicht, so führt allerdings
kein Weg an der spezifischen Immuntherapie (SIT = Hyposensibilisierung)
vorbei, die bei der Verwendung hochwertiger moderner Präparate
in rund 80-90% der Fälle einen guten Behandlungserfolg sicherstellen.
Je früher die Immun-Therapie beginnt und je weniger unterschiedliche
Allergien vorliegen, um so besser sind die Heilungsaussichten.
Da die auch als „Allergie-Impfung“ bezeichnete Therapie in der
Vergangenheit vergleichsweise zeitaufwendig war und viele Arztbesuche
erforderlich machte, haben etliche Pollenallergiker eine rein
symptomatische Therapie vorgezogen, bei der Allergiezeichen wie
brennende Augen oder eine tropfende Nase lediglich abgemildert
wurden – beispielsweise mit Hilfe lokal anzuwendender Kortison-Sprays
oder den sog. Antihistaminika.
Symptomatische Therapie ist auf Dauer nicht sinnvoll
Doch eine Allergie, bei der die Symptome quasi lediglich durch
einen undurchsichtigen „Vorhang“ verdeckt werden, kann sich leicht
zu einem allergischen Asthma auswachsen. Niesattacken, verschwollene
Augen und Atembeschwerden sind eine deutliche Beeinträchtigung
der Lebensqualität und die ständigen Begleiter der Pollenallergiker.
Doch ein allergisches Asthma kann später sogar lebensbedrohlich
sein. Dieses Risiko wird durch eine spezifische Immuntherapie
deutlich vermindert. Deren Wirksamkeit wird heute längst nicht
mehr bezweifelt.
Skandinavische Forscher untersuchten beispielsweise bei Birkenpollenallergikern
in zwei unabhängigen Langzeitstudien die Wirkungsweise und Verträglichkeit
der spezifischen Immuntherapie. Die Ergebnisse zeigen eine deutliche
Verbesserung der Lebensqualität der Patienten.
Sublinguale Immuntherapie macht viele Arztbesuche überflüssig
Mittlerweile ist den meisten Allergikern das gern genutzte Argument
„Zeitmangel“ abhanden gekommen, das sie daran hinderte, mit einer
SIT die einzig kausal wirkende Allergietherapie durchführen zu
lassen. Heute stehen gerade für die Behandlung der Pollenallergie
Präparate zur Verfügung, die nicht mehr vom Arzt unter die Haut
gespritzt werden müssen. Bei der sog. sublingualen spezifischen
Immuntherapie (SLIT) werden die in Tropfenform angebotenen, standardisierten
Allergen-Extrakte über die Mundschleimhaut in den Körper aufgenommen,
um dort das Immunsystem langsam an die Störenfriede zu gewöhnen.
Diese Form der Eigentherapie macht die meisten Arztbesuche nach
der exakten Diagnosestellung überflüssig. Mittlerweile konnten
viele Studien zeigen, dass diese patientenfreundliche neue Form
der Allergietherapie gute Erfolge zu verzeichnen hat.
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