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2.1.2026

 

 

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Pollenallergie: Einige vernünftige Verhaltensregeln und eine frühzeitig einsetzende spezifische Immuntherapie (SIT=Hypo-Sensibilisierung) bessern bei Allergikern den Heuschnupfen und schützen vor Pollenasthma




Nun ist es wieder so weit: Kaum neigt sich der Winter seinem Ende zu, beginnen Hunderttausende Pollenallergiker wieder zu niesen und zu schniefen. Wie viele es exakt sind, weiß niemand so ganz genau, da nur ein Teil der Betroffenen fachmännische Hilfe in Anspruch nimmt. Aber eines scheint klar zu sein: die Zahl der auf Baum- und Graspollen überempfindlich reagierenden Menschen wird von Jahr zu Jahr größer.

Immer mehr Menschen in Deutschland , der Schweiz und Österreich erkranken an Allergien – besonders häufig sind Pollenallergien


Dabei handelt es sich auch in den deutschsprachigen Ländern Mitteleuropas offenbar um einen ungebrochenen Langzeittrend. Das belegt unter anderem eine hier durchgeführte Untersuchung: Im Jahr 1926 litten nicht einmal einer von hundert Menschen unter Pollenallergie. 1958 waren es bereits fünf Prozent, und heute liegen die Zahlen auch in der Schweiz und in Österreich ähnlich hoch wie in Deutschland, wo die aktuelle Zahl vom Ärzteverband Deutscher Allergologen auf bis zu 12% der Bevölkerung geschätzt wird. In der ISAAC-Studie zeigte sich, dass 14% der nahezu 500.000 untersuchten Kinder unter Heuschnupfen litten.

Die Pollenbelastung unterscheidet sich von Jahr zu Jahr erheblich


In bestimmten Gebieten, bzw. in Jahren mit hoher Pollenbelastung, kommt es bei den Pollenallergikern bereits Ende Januar/Anfang Februar zu ersten Kontakten mit Erlen- und Haselpollen. Eine Birke setzt während der Blütezeit im Frühling bis zu sechs Milliarden Blütenpollen frei, die nur zwischen fünf und 30 Tausendstel Millimeter groß und äußerst flugfähig sind. Schon eine leichte Brise transportiert die Allergene bis 100 Kilometer weit. Der Weltrekord liegt derzeit bei 7500 Kilometern.


Experten sagen für das Jahr 2006 eine ungewöhnlich hohe Pollenbelastung voraus, die bei der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft zu einem nicht kalkulierbaren Störfaktor werden kann. 


Erfahrene Allergiker planen ihre Spaziergänge sorgfältig
Und natürlich ist es wünschenswert, wenn ein unter Heuschnupfen leidender Allergiker bei Spaziergängen einen großen Bogen um blühende Bäume und Wiesen machen würde. Ebenso sollte es selbstverständlich sein, den „blühenden“ Rasen nicht eigenhändig zu mähen. Für Urlaubsreisen eignen sich besonders Ferienorte an der Nord- und Ostsee, auf abgelegenen Inseln oder im Hochgebirge, da dort die Pollenbelastung meist niedrig ist.

 Allerdings muß hierbei bedacht werden, dass Pollen oft mit dem Wind Hunderte von Kilometern zurücklegen können. Der erfahrene Allergiker weiß: eine 100%ige Sicherheit gibt es auch durch einen Ortswechsel nicht.

Hochwertige Spezialfilter senken im Auto die Pollenbelastung


Im Auto sollte ein Qualitäts-Filter während der Fahrt die Pollen-Belastung niedrig halten. Vor allem in den frühen Morgenstunden machen die Pollen jenen Allergikern zu schaffen, die als Pendler zu ihrem Arbeitsplatz unterwegs sind. Zu dieser Tageszeit ist die Pollen-Konzentration in der Außenluft meist am höchsten. Immer mehr Autos sind mit Pollenfiltern ausgestattet, die die meisten Pollen aus der Luft herausfiltern. Doch nicht alle schaffen das gleich gut.


In welcher Konzentration die Pollen tatsächlich allergische Reaktionen auslösen, ist von Pollenart zu Pollenart verschieden. Als Schwellenwert gelten bei Roggen
ca. 10 bis 15, bei Gräsern 50, bei Birken 70 und bei Brennnesseln 150 Polen.

Da Untersuchungen aber gezeigt haben, daß in einem Milliliter Luft
während der Haupt-Pollensaison rund 3.000 Pollen enthalten sind

kann man leicht nachvollziehen, daß die angebotenen PKW-Pollenfilter viel leisten müssen: sie sollen schließlich mehr als 99% der Pollen und auch kleinere Partikel unterhalb der magischen grenze um 5 µm bis hin zu Staubpartikeln zwischen 0,3 und 0,5 µm ausfiltern. Längst ist den Experten bekannt, daß auch diese Staub- und Schmutzpartikel allergische Reaktionen und Reizungen der Atmungsorgane hervorrufen können.

Pollenallergie führt oft zu einem allergischen Asthma


Da viele Pollenallergiker vergleichsweise milde Krankheitszeichen aufweisen und daher nicht sehr leiden, wird der sog. „Heuschnupfen“ von Nichtbetroffenen - aber auch von unerfahrenen Ärzten - oft bagatellisiert. Doch dabei wird aus dem Auge verloren, daß rund ein Drittel der Allergiker über kurz oder lang ein allergisches Asthma entwickelt – bei Heuschnupfen-Patienten sprechen die Ärzte dann von einem "Pollenasthma".

Viele Menschen fragen sich daher in jedem Frühjahr und Sommer, was sie als Pollenallergiker praktisch tun können, um ihre lästigen Krankheitssymptome abzumindern. Doch ist eine Allergie erst einmal ausgebrochen, kann man leider vergleichsweise wenig tun – eine völlige Heilung durch die Anwendung von reinen Vermeidungsstrategien ist eher selten.


Wie können Allergiker verhindern, daß auch ihre Kinder krank werden?


Insbesondere allergiebelastete Eltern machen sich Gedanken darüber, wie sie ihren Kindern das lästige und gelegentlich sogar gefährliche Leiden ersparen können. Hier haben sich in der letzten Zeit wichtige Hinweise ergeben, die Bestandteil einer aktiven Lebensplanung werden können.


Nahezu alle Ärzte sind sich heute darin einig, daß es sehr sinnvoll ist, Neugeborene in den ersten sechs Monaten ausschließlich mit Muttermilch zu ernähren. Wenn Kinder erst nach dem sechsten Monat mit Fremd-Eiweiß zugefüttert werden, und die ersten festen Nahrungsmittel erst nach dem ersten Geburtstag erhalten, dann wird das Allergierisiko deutlich abgesenkt. Eine ähnliche Wirkung hat es auch, wenn Kinder im ersten Lebensjahr mit einem Haustier Kontakt haben.


Allergievermeidung: Zurück zum einfachen Leben?


Da sich einige an sich nicht zu beeinflussende Lebensumstände als deutliche Risikofaktoren für eine Allergie erwiesen haben, kann man hieraus zumindest einige Überlegungen ableiten: wenn hoher Sozialstatus, Leben in der Großstadt, wenige Geschwister und das Vorhandensein einer Zentralheizung die Wahrscheinlichkeit, an einer Allergie zu erkranken, erhöhen, so ist es nur logisch, wenn man für seine Kinder im Rahmen des Möglichen ein Leben anstrebt, in dem sie viel Kontakt zu anderen Kindern und Tieren haben, das nicht von übertriebenen Hygieneregeln bestimmt und eingeengt ist und das vielleicht auch den zu häufigen Kontakt mit Einrichtungen des Gesundheitswesens eher vermeidet. Denn hier gilt nicht: Viel hilft viel......


Übertriebene Furcht vor seltenen Krankheitskomplikationen und der Hygienefimmel einiger Mütter schwächen das kindliche Immunsystem


Nun sind natürlich die Routine-Besuche beim Kinderarzt nicht an sich schädlich – allerdings führt gelegentlich eine „unheilige Allianz“ zwischen überbesorgten Müttern und allzu willfährigen Ärzten dazu, daß beim Nachwuchs ein Fieber viel zu früh bzw. unnötigerweise gesenkt wird und manche harmlose Virusinfektion mit unwirksamen Antibiotika behandelt wird. Dieser sinnlose medizinische „overkill“ behindert eine Stärkung des körpereigenen Immunsystems und fördert so eventuell die Entstehung von Allergien.

Heute denkt mancher Allergologe bereits darüber nach, Allergiker mit für den Menschen unschädlichen Würmern künstlich zu „infizieren“, um das Immunsystem zu reizen und damit zu aktivieren. Dadurch wird erhofft, daß sich das körpereigene Abwehrsystem durch den Kontakt mit den harmlosen Parasiten „sinnvolleren“ Tätigkeiten zuwendet als der Bekämpfung harmloser Birken- und Gräser-Pollen „um jeden Preis“.


Ein Schmutzfink hat ein niedriges Allergierisiko


In diesem Licht betrachtet drängt sich natürlich auch die Frage auf, ob die übliche Bekämpfung der bei Kindern vorkommenden Wurmerkrankungen wirklich eine so gute Idee ist. Sicherlich unzulässig vereinfacht könnte man somit sagen: Kinder, die ständig im Freien mit Hunden herumtollen und mit ihren Freunden „im Dreck wühlen“, bekommen keine Allergie.

Ist die Pollenallergie aber erst einmal ausgebrochen, so kann es in erster Linie nur noch um Schadensbegrenzung gehen. Aufgrund der Vorwarnungen des örtlich verfügbaren Pollenflug-Warndienstes können sich die Allergiker rechtzeitig auf den lokal drohenden Pollenflug vorbereiten. Von Allergie-Spezialisten wird den in der Stadt lebenden Pollenallergikern außerdem geraten, bei geschlossenem Fenster zu schlafen und am Abend die Haare zu waschen, um aufgelagerte Baum-Pollen zu entfernen.


Pollen sind überall – verstecken nützt nichts


Verstecken nützt bei einer Pollenallergie nichts: die winzigen Allergene können überall lauern. Bereits 20 Pollen pro Kubikmeter Luft reichen bei einigen Allergien aus, um die Über-Reaktionen des Immunsystems auszulösen. Aber nicht nur die Atemwegsorgane sind ein Einfallstor für die gefährlichen Allergene. Auch Kreuzreaktionen bestimmter Früchte und Gemüse machen vielen Pollenallergikern das Leben schwer. So sollten Baumpollenallergiker etwa Äpfel, Nüsse, Nektarinen, Pfirsiche, rohe Karotten, Sellerie und Kiwis eher meiden. Eine gewisse Vorsicht ist auch bei Kosmetik- und Waschartikeln geboten, die Fruchtextrakte enthalten.


Eine spezifische Immuntherapie sollte frühzeitig begonnen werden


Helfen diese vernünftigen Vorbeugemaßnahmen nicht, so führt allerdings kein Weg an der spezifischen Immuntherapie (SIT = Hyposensibilisierung) vorbei, die bei der Verwendung hochwertiger moderner Präparate in rund 80-90% der Fälle einen guten Behandlungserfolg sicherstellen. Je früher die Immun-Therapie beginnt und je weniger unterschiedliche Allergien vorliegen, um so besser sind die Heilungsaussichten. Da die auch als „Allergie-Impfung“ bezeichnete Therapie in der Vergangenheit vergleichsweise zeitaufwendig war und viele Arztbesuche erforderlich machte, haben etliche Pollenallergiker eine rein symptomatische Therapie vorgezogen, bei der Allergiezeichen wie brennende Augen oder eine tropfende Nase lediglich abgemildert wurden – beispielsweise mit Hilfe lokal anzuwendender Kortison-Sprays oder den sog. Antihistaminika.

Symptomatische Therapie ist auf Dauer nicht sinnvoll


Doch eine Allergie, bei der die Symptome quasi lediglich durch einen undurchsichtigen „Vorhang“ verdeckt werden, kann sich leicht zu einem allergischen Asthma auswachsen. Niesattacken, verschwollene Augen und Atembeschwerden sind eine deutliche Beeinträchtigung der Lebensqualität und die ständigen Begleiter der Pollenallergiker. Doch ein allergisches Asthma kann später sogar lebensbedrohlich sein. Dieses Risiko wird durch eine spezifische Immuntherapie deutlich vermindert. Deren Wirksamkeit wird heute längst nicht mehr bezweifelt.

Skandinavische Forscher untersuchten beispielsweise bei Birkenpollenallergikern in zwei unabhängigen Langzeitstudien die Wirkungsweise und Verträglichkeit der spezifischen Immuntherapie. Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität der Patienten.

Sublinguale Immuntherapie macht viele Arztbesuche überflüssig


Mittlerweile ist den meisten Allergikern das gern genutzte Argument „Zeitmangel“ abhanden gekommen, das sie daran hinderte, mit einer SIT die einzig kausal wirkende Allergietherapie durchführen zu lassen. Heute stehen gerade für die Behandlung der Pollenallergie Präparate zur Verfügung, die nicht mehr vom Arzt unter die Haut gespritzt werden müssen. Bei der sog. sublingualen spezifischen Immuntherapie (SLIT) werden die in Tropfenform angebotenen, standardisierten Allergen-Extrakte über die Mundschleimhaut in den Körper aufgenommen, um dort das Immunsystem langsam an die Störenfriede zu gewöhnen. Diese Form der Eigentherapie macht die meisten Arztbesuche nach der exakten Diagnosestellung überflüssig. Mittlerweile konnten viele Studien zeigen, dass diese patientenfreundliche neue Form der Allergietherapie gute Erfolge zu verzeichnen hat.
 


 

 

 

 

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