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Quelle:
Presseinformation Zentrum Frauenheilkunde der Medizinischen
Hochschule Hannover Professor Dr. Peter Hillemanns.
Krebs-Vorbeugung: Impfen gegen Gebärmutterhalskrebs
Vorbeugung
und Früherkennung bei Gebärmutterhalskrebs - Beginn einer
neuen Ära. Aufklärungskampagne fördert die Früherkennung und soll
Leben retten. Deutsche Krankenkassen übernehmen die Kosten der
Impfung.
Gebärmutterhalskrebs (Zervix-Karzinom) nimmt nach dem Brustkrebs
weltweit Platz zwei in der Rangliste der häufigsten bösartigen
Veränderungen weiblicher Geschlechtsorgane ein. Obwohl Vorsorgeprogramme
existieren, erkranken in der Europäischen Union noch heute jährlich
60.000 Frauen an dieser Krebsart, 28.000 davon sterben. Mit der
Einführung von Impfstoffen gegen den Auslöser
der Erkrankung, die humanen Papilloma-Viren (HPV) scheint
nun eine neue Ära zu beginnen.
„Wir können bei der Gebärmutterhalskrebsvorsorge in der Tat von
dem Beginn einer neuen Zeitrechnung sprechen,“ so der geschäftsführende
Direktor des Zentrums Frauenheilkunde der Medizinischen Hochschule
Hannover Professor Dr. Peter Hillemanns. Er leitete ein Pressegespräch
anlässlich des Starts der europäischen Informationswoche zum Gebärmutterhalskrebs
in Hannover. Die Aufklärungskampagne wurde von der Europäischen
Gesellschaft für Gebärmutterhalskrebs (ECCA) initiiert und
wird die Frauen in der EU gezielt über die Möglichkeiten zur Vorbeugung
und Früherkennung aufklären. Schließlich gehört Gebärmutterhalskrebs
heute zu jenen Krebsarten, an denen grundsätzlich keine Frau mehr
erkranken muss. „Wenn es uns gelingt, möglichst allen Frauen die
neuen Chancen der HPV-Diagnostik und -Therapie nahe zu
bringen, werden wir die Neuerkrankungen und Todesfälle auf ein
Minimum reduzieren“, prognostizierte Hillemanns.
Die Ursache ist bekannt
Bereits in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts erkannten
Forscher der Heidelberger Arbeitsgruppe um Professor Dr. Harald
zur Hausen einen Zusammenhang zwischen den als Warzenviren
bekannten HPV und Gebärmutterhalskrebs. Heute ist erwiesen, dass
humane Papilloma-Viren (HPV) für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs
verantwortlich sind: Kleine, hüllenlose Viren, von denen bislang
100 verschiedene Typen entdeckt wurden. Sie infizieren Haut- und
Schleimhautzellen und können Warzen verursachen. Am Gebärmutterhals
werden HPV fast immer durch sexuellen Kontakt übertragen – in
den harmloseren Fällen verschwinden sie rasch wieder. Einige Hochrisiko-HPV-Typen
wie HPV-16 und HPV-18richten allerdings weitaus schlimmeren Schaden
an: Eine anhaltende Infektion über 12
bis 18 Monate hinweg erhöht das Risiko, an Gebärmutterhalskrebs
zu erkranken, um das
300-fache.
Von einer HPV-Infektion bis zum Karzinom dauert es mindestens
sieben Jahre. Nur bei 10 bis 40 Prozent der Frauen bleibt HPV
dauerhaft (CIN I-und CIN II-Vorstufen), wiederum nur bei 10 bis
25 Prozent der länger infizierten Frauen entwickeln sich hochgradige
Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs (CIN III). In diesen Fällen
entwickelt sich meist ein Tumor.
Deshalb wurde nach Methoden gesucht, HPV in den Zellen des
Gebärmutterhalses möglichst frühzeitig und sicher zu erkennen,
um gezielte Therapien einleiten zu können und eine bösartige Veränderung
der Zellen zu verhindern. Mit einem
HPV-DNA-Test (Fa. Digene GmbH, Capture® 2 HPV
DNA-Test ) ist dies heute zweifelsfrei
möglich. Zudem wurde weltweit nach Impfstoffen geforscht,
die eine Infektion verhindern. Der erste
rekombinante Impfstoff gegen die vier HPV-Typen 6,11,16 und 18
ist nun seit einigen Monaten auf dem Markt. Er bekämpft
die beiden gefährlichsten HPV-Vertreter 16 und 18 und damit etwa
70 Prozent aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs. Darüber hinaus
werden etwa 90 Prozent der Genitalwarzen, die durch die HPV-Typen6,11,
16 und 18 verursacht werden, verhindert. Ein weiterer Impfstoff
steht kurz vor der Zulassung.
Das Gesundheitssystem ist gefordert
Ob und wann die Frauen in der Europäischen Union flächendeckend
in den
Genuss der neuen präventiven und diagnostischen Möglichkeiten
kommen, bleibt fraglich. Bereits unter der österreichischen EU-Präsidentschaft
im Juni 2006 hatte sich eine Gruppe von EU-Parlamentarierinnen
unter der Leitung der Britin Glenis Willmott für
die Einführung neuer Technologien und Möglichkeiten bei
der Gebärmutterhalskrebsvorsorge stark gemacht. Unter dem Motto
„Stop Cervical Cancer“ will diese Gruppe weiterhin Druck auf die
EU-Kommission und die Regierungen ausüben: Durch verbesserte Vorsorgeprogramme
sollen Gebärmutterhalskrebserkrankungen endlich europaweit reduziert
werden. Auch in Deutschland tun sich die offiziellen Stellen noch
schwer mit der Einführung der neuen Möglichkeiten. Dagegen haben
die Krankenkassen schnell erkannt, welche Kosteneinsparungen durch
eine effiziente Diagnostik und Therapie möglich sind. Bereits
Anfang Dezember haben die großen Krankenkassen von der AOK bis
zur TK die Übernahme der Kosten für die HPV-Impfung von Mädchen
vom elften bis zum vollendeten 18. Lebensjahr bekannt gegeben.
Die größte deutsche Betriebskrankenkasse
- die Deutsche BKK - übernimmt zusätzlich
im Rahmen eines Pilotprojekts in Wolfsburg bei weiblichen Versicherten
ab dem 30. Lebensjahr die Kosten für die HPV-Diagnostik (HPV-Test),
die bei der Routine-Krebsvorsorge-Untersuchung durchgeführt wird.
„Die Datenlage und die weltweiten Studien sprechen für sich. Wir
müssen
jetzt dafür sorgen, dass möglichst viele Frauen auch wirklich
einen Zugang zu den neuen Möglichkeiten erhalten,“ resümierte
Professor Hillemanns. Er appellierte zu Beginn der europäischen
Gebärmutterhalskrebswoche auch an die niedergelassenen Ärzte,
die Frauen bei einer besseren Vorsorge zu unterstützen.
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