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Quelle:
Gabriele
und Rolf Froböse „Lust und Liebe – alles nur Chemie?“
Liebe ist die beste Medizin
Hormonausschüttung besser als beim Sport – Glückliche Beziehungen
stärken das Immunsystem
Von
Rolf Froböse
Columbus/Ohio
– Wer sich in einer harmonischen Beziehung regelmäßig erotisch
betätigt, bringt sein Hormonsystem auf Trab und stärkt sein Immunsystem.
Zu diesem Ergebnis kommen die beiden amerikanischen Hormonexperten
Janice Kiecolt-Glaser und Ronald Glaser – ein Forscherehepaar
an der amerikanischen Ohio State University in Columbus. Als Resultat
einer mehrjährigen Studie haben die beiden herausgefunden, dass
die Qualität der Ehe die Gesundheit der Partner positiv beeinflusst.
„Ist die Beziehung glücklich, so wirkt sich dies auch positiv
auf den Gesundheitszustand der Partner aus“, lautet ihr Resümee.
Die
These der Forscher stützt sich auf Langzeitstudien der Stresshormonspiegel
und des Wundheilungsprozesses an 90 verheirateten Paaren. Hierbei
zeigte sich, dass sowohl Männer als auch Frauen auf die Qualität
ihrer Beziehung über den Spiegel an Stresshormonen im Blut sowie
über die Stärke der Immunfunktion reagieren. Das Forscherpaar
beobachtete zum Beispiel, dass ein heftiger Ehestreit das Immunsystem
deutlich schwächt. Als Konsequenz verschlechtern sich Impfwirkungen
und Wundheilungszeiten.
Um
eine Verwundung nachzuahmen, wurden den Testpersonen durch Ansetzen
eines Vakuums auf dem Arm Blasen zugefügt. “Wir konnten ziemlich
genau feststellen, was in der Wunde während einer sozialen Interaktion
passiert“, versichert Ronald Glaser. Dabei hatten die Forscher
insbesondere Cytokine und Neutrophile, eine besondere Sorte weißer
Blutkörperchen, im Auge. Stress in der Beziehung, so warnen die
Glasers, kann letztlich über eine Blockierung der Cytokine zu
einer Verzögerung des Heilungsprozesses führen.
Bei
geschiedenen Paaren konnten die Wissenschaftler wiederum auffallend
hohe Werte von Stresshormonen wie Adrenalin, Corticotropin und
Cortisol nachweisen – ganz anders als bei Paaren, die in einer
harmonischen Beziehung leben oder diese zumindest anstreben.
„Allein
die Tatsache, dass Ehepaare über Veränderungen sprechen – sei
es, daß sie sich besser organisieren wollen oder beide planen
gemeinsam abzunehmen, wirkt sich generell positiv auf den Gesundheitszustand
aus“, versichert Glaser. Eine positive Einstellung so Glaser,
spiegelt sich offenbar auch in reduzierten Cortisolwerten wider.
Glaser: „Je geringer der Cortisolwert ist, umso schneller heilen
zumindest die äußeren Wunden.“
Ein
aktives Liebesleben beugt auch Erkältungskrankheiten vor. Das
haben wiederum die Psychologen Carl J. Charnetsk und Francis Brennau
von der Wilkens University im US-Bundesstaat Pennsylvania herausgefunden.
Ihre Untersuchungen zufolge zeigt sich bei Menschen, die ein bis
zwei Mal pro Woche Intimverkehr haben, sich ein höherer Immunglobulin-Level.
Dieser Antikörper schützt wirksam vor Schnupfen und anderen Infektionen.
Und einer an der britischen Universität Bristol durchgeführten
Langzeitstudie zufolge ist sexuelle Aktivität auch eine geeignete
Prävention gegen Herzinfarkt. Darüber hinaus soll sich speziell
bei Männern sexuelle Aktivität auch positiv auf die Gedächtnisleistung
auswirken und das Schlaganfallrisiko reduzieren.
Ganz
klar darf Sexualität auch als Form sportlicher Betätigung bezeichnet
werden. So verbrennen bei einem halbstündigen Liebesspiel durchschnittlich
350 Kalorien, was wiederum einem rund 40minütigen Jogging entspricht.
Da hierbei auch die Bauchmuskulatur angespannt wird, kann ein
durchschnittlicher Sexualakt darüber hinaus mit einem 15 Minuten
dauernden Entfettungstraining im Fitneßstudio mithalten.
„Sex ist
der genussvollste Weg, um Kalorien zu verbrennen“, so brachte
es der amerikanische Schauspieler Jack Nicholson („Einer flog
über das Kuckucksnest“) einmal auf den Punkt.
Überaus
positiv wirkt sich der beim Liebesakt ausgeschüttete Hormoncocktail
aus, der nach neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen wesentlich
vielseitiger als der durch sportliche Hochleistungen provozierte
Hormonschub ist. Während beim Sport vorwiegend Adrenalin ausgeschüttet
wird und unter extremen Situation – etwa beim Marathonlauf – auch
köpereigene Opiate im Blut zirkulieren, kommen beim Sexualakt
darüber hinaus auch das Kuschelhormon Oxytocin, das Antistresshormon
Prolaktin, der Botenstoff sowie das Glückshormon Serotonin zur
Entfaltung. Diese einzigartige Kombination wirkt unter anderem
als vortreffliches Schmerzmittel, da die vom Körper produzierten
opiumähnlichen Substanzen vor allem Gelenk- und Kopfschmerzen
merklich lindern können. Hinzu kommt, dass der Botenstoff Dopamin
jegliche Stressgefühle für rund zwei Stunden hinwegfegt. Zu diesem
Ergebnis kommt der amerikanische Neurologe Dr.
James Couch von der Oklahoma-Universität in Oklahoma City. Couch
empfiehlt seinen Migränepatientinnen deshalb sogar Sex während
eines Anfalls und rät auch bei Menstruationsbeschweren zu Intimkontakten.
Last
not least macht Liebe auch schön. Dafür sorgt unter anderem das
verstärkt ausgeschüttete Östrogen, welches die Regenerationsfähigkeit
der Zellen verbessert und die Bildung von Kollagen fördert. Dadurch
bleibt die Haut länger straff, elastisch und faltenfrei. Studien
der US-Gesundheitsbehörde haben ergeben, dass Frauen, die mindestens
einmal pro Woche lieben, deutlich mehr Östrogen im Blut haben
als enthaltsamere.
„Auch
Küssen ist gesund“, meint Dr. Klaus Hartmann, Geschäftsführer
der Heidelberger biomedparc GmbH. Seinen Angaben zufolge werden
bei einem Kuss rund 40.000 Bakterien ausgetauscht, was sich positiv
auf die Immunabwehr auswirke. Doch nicht nur das. „Bei einem intensiven
Kuß sind nicht nur die Zunge und die Lippen, sondern vielmehr
auch 34 unterschiedliche Gesichtsmuskeln beteiligt“, zieht Hartmann
eine positive Bilanz. Das verleihe der Haut einen besonders straffen
und jugendlichen Touch und beuge auf angenehme Weise Mimikfalten
vor.
Wiley-VCH
Verlag,
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