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Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Geheimnis
des Sehens gelüftet
Oft
verkannt und doch extrem wichtig: Die Müllerzellen im menschlichen
Auge. Dass wir scharf sehen können, verdanken wir auch diesen
Zellen in der Netzhaut. Sie leiten das Licht. Das entdeckte jetzt
ein Team von Neurowissenschaftlern und Physikern der Universität
Leipzig.
Müllerzellen
ähneln Glasfaserkabeln
Unsere
Netzhaut, die Retina, ermöglicht uns das Sehen. Hier werden die
ins Auge einfallenden Lichtstrahlen durch so genannte Lichtsinneszellen
in eine Erregung von Nervenzellen umgewandelt, die dem Gehirn
zugeleitet wird und Grundlage des Seheindrucks ist. Doch unsere
Netzhaut hat - wie die aller Wirbeltiere - ein grundsätzliches
Problem: Sie liegt umgekehrt, also verkehrt herum, im Auge. Das
heißt: Bevor das Licht die Lichtsinneszellen überhaupt erreicht,
muss es erst mehrere Schichten anderer Netzhautzellen durchdringen.
Dabei würde es eigentlich an diesen Zellen abprallen, in alle
Richtungen gestreut werden und so an Intensität verlieren. Ein
unscharfes und lichtschwaches Bild wäre die Folge. "Das passiert
aber nicht und nun ist endlich aufgeklärt warum: weil es in der
Netzhaut die Müllerzellen gibt", erklärt Prof. Reichenbach,
Leiter der Abteilung für Neurophysiologie des Paul-Flechsig-Instituts
für Hirnforschung." Diese Zellen wirken wie winzige Glasfaserkabel.
Sie leiten Licht." Über 150 Jahre nachdem sie durch Heinrich
Müller entdeckt und beschrieben wurden, sind die Leipziger Forscher
damit einer grundlegenden Funktion der Müllerzellen auf die Schliche
gekommen.
Wie
das Licht zur anderen Seite gelangt
Wie
Säulen durchspannen Millionen von Müllerzellen die Retina von
einer Seite zur anderen. Sie sammeln mit ihrer trichterartigen
Ausstülpung das Licht an der vorderen Netzhautoberfläche, leiten
es an den Licht streuenden Strukturen vorbei, und direkt an die
Lichtsinneszellen an der hinteren Netzhautoberfläche weiter. Diese
Entdeckung ist so bedeutend, schätzen die Wissenschaftler, dass
sie zum Umschreiben der Lehrbücher führen könnte. Denn dort steht
über die Müllerzellen bis heute nur: Stützfunktion. Oder gar:
Funktion unbekannt.
Die
Zelle in der Falle
Die
Forscher wiesen die verblüffenden Eigenschaften unter anderem
an isolierten Müllerzellen nach - mit Hilfe des "Optical
Stretchers". In dieser optischen Falle wird eine einzelne
Zelle zwischen zwei sich gegenüber stehenden Infrarot-Lasern ausgerichtet
und dort durch physikalische Wechselwirkungen festgehalten. Schaltet
man nun an dem Ende der Zelle, das in der intakten Netzhaut an
der vorderen Netzhautoberfläche liegt, einen dritten Laserstrahl
hinzu, so leitet die Müllerzelle ihn nahezu unabgeschwächt bis
zum anderen Ende weiter. "So kommt am Messpunkt etwa dreimal
mehr Licht an, als wenn man das Laserlicht ohne eine zwischengeschaltete
Müllerzelle losschickt", so Prof. Reichenbach. Und nicht
nur das. Das kleine biologische Wunderwerk vermag die Strahlen
sogar um die Ecke zu führen: Verbiegt man die Zelle, folgt auch
das Licht dieser Krümmung. Diese neuen Erkenntnisse gelten nicht
nur für das menschliche Auge, sondern für das Auge aller Wirbeltiere
und lösen nun das klassische Problem der sogenannten "umgekehrten
Wirbeltierretina". Die Studie entstand in Kooperation mit
Prof. Käs und Dr. Guck vom Institut für experimentelle Physik
im Graduiertenkolleg InterNeuro der Universität Leipzig und wurde
jetzt in der Fachzeitschrift PNAS veröffentlicht.
Sandra Hasse
weitere Informationen:
Prof. Dr. Andreas Reichenbach
Telefon: 0341 97-25730
E-Mail: reia@medizin.uni-leipzig.de
www.uni-leipzig.de/~pfi
Prof.
Dr. Josef A. Käs
Telefon: 0341 97-32470
E-Mail: jkaes@physik.uni-leipzig.de
www.uni-leipzig.de/~pwm
Kristian Franze Telefon: 0341 97-25796
E-Mail: franze@medizin.uni-leipzig.de
www.uni-leipzig.de/~pfi
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Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Universität Leipzig, Dr. Bärbel Adams, 02.05.2007 14:38
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