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NEWS: In der Schweiz starb vor wenigen Tagen ein
44-jähriger Feuerwehrmann der in einem Spezialanzug versuchte
ein Wespennest zu entfernen. Er wurde von einer Wespe gestochen.
Obwohl er sofort in ein Krankenhaus eingeliefert wurde starb
er am nächsten Tag auf der Intensivstation.
In
der Schweiz starben seit 1961 132 Personen an den Folgen
eines Insektenstichs. Experten gehen davon aus, dass das
Sterberisiko um so höher ist, je älter der gestochene Patient
ist........
Insektengift-Allergie
ist heilbar
Mastozytose-Patienten
am meisten gefährdet
Wenn
das Obst reif wird, kommen sie oft in Massen und können
vor allem beim Genuss von süßen Speisen und Getränken im
Freien eine richtige Plage sein: Wespen. Die meisten Menschen
versuchen aus Angst vor einem schmerzhaften Stich, die Insekten
zu vertreiben, oder sie treten gar selbst die Flucht an.
Für Menschen mit einer Insektengift-Allergie können Wespen
oder auch Bienen richtig gefährlich werden. Sie reagieren
nach einem Stich nicht nur mit einer Schwellung und Rötung
der Einstichstelle, sondern können lebensgefährliche Symptome
erleiden, die den ganzen Organismus betreffen. Die Deutsche
Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie
(DGAKI), der Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA) und
die Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin
(GPA) raten dringend zu einer spezifischen Immuntherapie
(Hyposensibilisierung) bei einem auf Allergien spezialisierten
Arzt.
Millionen
Menschen sind Insektengift-Allergiker
In
Deutschland sind etwa drei Prozent der erwachsenen Bevölkerung,
also 2,5 Millionen Menschen, von einer Allergie auf das
Gift von Wespen oder Bienen betroffen. „Auch Kinder reagieren
auf Insektengift allergisch – sie sind allerdings seltener
betroffen als Erwachsene“, sagt der Kinderarzt und GPA-Vorsitzende
Professor Carl Peter Bauer aus Gaißach.
Insektengift-Allergiker
können nach dem Stich einer Biene oder Wespe bereits innerhalb
kürzester Zeit mit Hauterscheinungen wie Nesselsucht, Hautrötung
und Hitzegefühl, mit Blutdruckabfall, Herzrasen und Schwächegefühl,
oder sogar mit Atemnot bis hin zu Bewusstlosigkeit reagieren.
Im schlimmsten Fall kommt es durch die Insektengift-Allergie
zu einem tödlichen Allergieschock oder Atemversagen. Professor
Bauer: „Auf jeden Fall sollte beim Eintreten erster Symptome,
die nicht auf die Einstichstelle begrenzt sind, ein Notarzt
gerufen werden. Bei Kindern sind Todesfälle durch eine Insektengift-Allergie
sehr selten, dennoch sind die Symptome sehr ernst zu nehmen.
Es muss rasch reagiert werden.“ Auch wenn zunächst bei einer
Allgemeinreaktion ein schwerer Schock ausbleibt, sollten
die Patienten noch bis zum nächsten Tag beobachtet werden
und unbedingt einen Facharzt mit allergologischer Zusatzausbildung
aufsuchen.
Nicht
einmal jeder Zehnte nutzt heilende Therapie
Die
Ursache der Insektengift-Allergie sind bestimmte Abwehrkörper
(Immunglobulin E, IgE-Antikörper) im Blut der Erkrankten.
Sie reagieren mit Molekülen (Allergenen) des Insektengiftes.
Bei einem einzigen Wespenstich gelangen etwa 5.000 Milliarden
Moleküle des Hauptallergens in den Organismus. Wenn diese
an die spezifischen IgE-Antikörper binden, setzen bestimmte
Immunzellen (Mastzellen) Botenstoffe frei, die innerhalb
von Sekunden bis Minuten die gefürchteten Symptome auslösen.
Eine
Insektengift-Allergie kann fast immer geheilt werden. Dazu
erhalten die Patienten über einen Zeitraum von mindestens
drei Jahren Insektengiftallergene in den Oberarm injiziert.
Anfangs erfolgen die Injektionen zur Dosissteigerung in
kurzen Abständen, bis bereits eine gewisse Menge des Allergens
gut vertragen wird. Anschließend wird drei bis fünf Jahre
lang alle vier bis sechs Wochen eine Erhaltungsdosis verabreicht.
So wird das Immunsystem langfristig weniger empfindlich
gemacht – hyposensibilisiert. Auch Kinder können mit einer
spezifischen Immuntherapie behandelt werden. Kinder können
in der Regel ab dem sechsten Lebensjahr in Einzelfällen
auch früher hyposensibilisiert werden“, versichert der Kinderarzt
und Allergologe Professor Bauer. „Diese Methode schützt
in nahezu allen Fällen vor der gefährlichen Sofortreaktion
des Körpers. Die Erfolgsquote liegt bei fast 100 Prozent.“
„Da
nahezu jeder Patient mit Insektengift-Allergie durch eine
korrekt ausgeführte spezifische Immuntherapie sicher geschützt
werden kann, ist es unbegreiflich, dass derzeitig weniger
als zehn Prozent der Insektengift-Allergiker hyposensibilisiert
werden“, bedauert Professor Bernhard Przybilla von der Ludwig-Maximilians-Universität
München. „Angesichts der fast 100-prozentigen Wirksamkeit
bei einer lebensbedrohlichen Erkrankung ist das ein katastrophaler
Prozentsatz!“
Bis
der Erfolg der Immuntherapie eingetreten ist, sollten Insektengift-Allergiker
zudem Medikamente zur schnellen Selbstbehandlung für den
Notfall bei sich tragen. Die Notfallapotheke besteht aus
einem Adrenalin-Autoinjektoren, einem oralen Kortisonpräparat
und einem Antihistaminikum.
Mastozytose-Patienten
besonders gefährdet
Bei
einigen Menschen sind die Mastzellen krankhaft vermehrt.
Diese Erkrankung wird als Mastozytose bezeichnet. Bei den
Betroffenen ist das Enzym Tryptase vermehrt im Blut zu finden
und es können bräunliche Flecken auf der Haut auftreten,
die Muttermalen ähneln.
„Etwa
zehn Prozent der Patienten mit einer Bienen- oder Wespengift-Allergie
haben einen erhöhten Tryptasewert und bei etwa 2,5 Prozent
diagnostizieren wir eindeutig eine Mastozytose", berichtet
Privatdozentin Dr. Franziska Ruëff von der Klinik und Poliklinik
für Dermatologie und Allergologie der Ludwig-Maximilians-Universität
München. „Die Vermehrung von Allergie-Zellen im Körper hat
bei Insektengift-allergischen Patienten äußerst schwere
Reaktionen zur Folge: Mehr als 80 Prozent von ihnen erleiden
einen Schock oder eine nahezu tödliche Reaktion, während
dies bei Patienten ohne Mastozytose nur bei weniger als
20 Prozent der Fall ist."
Spezifische
Immuntherapie praktisch immer erfolgreich
Wegen
der besonderen Bedrohung sollten Patienten mit Mastozytose
und einer Insektengift-Allergie unbedingt hyposensibilisiert
werden. Die Behandlung hilft praktisch immer. Ungefähr jeder
fünfte Patient benötigt jedoch eine erhöhte Allergendosis.
„Der Behandlungserfolg sollte durch einen Stichprovokationstest
mit einem lebenden Insekt in Anwesenheit eines Notfallmediziners
überprüft werden“, sagt der Allergologe Professor Przybilla.
Bei Mastozytose-Patienten mit einer Insektengift-Allergie
ist eine lebenslange Immuntherapie erforderlich.
„Viele
tragische Todesfälle durch Bienen- oder Wespenstiche könnten
vermieden werden, wenn rechtzeitig eine spezifische Immuntherapie
begonnen würde", erklärt Professor Przybilla. „Besonders
wichtig ist diese Behandlung für Patienten mit erhöhtem
Tryptasewert im Blut oder mit Mastozytose. Die Besonderheiten
ihrer Therapie wurden in einer Leitlinie der DGAKI detailliert
dargestellt."
Vorbeugen
hilft Notfälle verhindern
Die
Allergologen raten auch zu vorbeugendem Verhalten. Einfache
Maßnahmen können die Gefahr eines Insektenstichs verringern:
·
Süße
Speisen und Getränke nicht im Freien verzehren. Nach dem
Essen Hände waschen und Mund abwischen.
·
Stark
duftende Körperpflegemittel (unter anderem in Parfüms und
Cremes) möglichst meiden.
·
Den
Körper bedeckt halten und nicht barfuß laufen. Ungünstig
sind lose sitzende, leichte Bekleidungsstücke und dunkle
Farben, zu bevorzugen sind helle Farben. Kein offenes Schuhwerk.
·
Bienen-
oder Wespennester und deren Einzugsbereich meiden. In Anwesenheit
von Bienen und Wespen auf jeden Fall Ruhe bewahren und rasche
Bewegungen vermeiden.
·
Die
Nähe von Abfallkörben oder Fallobst meiden.
·
Przybilla
B, Ruëff F, Fuchs T, Pfeiffer C, Rakoski J, Stolz W, Vieluf
D: Insektengiftallergie: Leitlinie der Deutschen Gesellschaft
für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI); Allergo
J 2004, 13:186-190
·
Przybilla
B, Müller U, Jarisch R, Ruëff F: Erhöhte basale Serumtryptasekonzentration
oder Mastozytose als Risikofaktor der Hymenopterengiftallergie:
Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie
und Klinische Immunologie (DGAKI). Allergo J 2004;13:440-442
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