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Informationsdienst
Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Rheinisch-Westfälisches Institut für
Wirtschaftsforschung e.V.
Joachim Schmidt, 19.01.2009
Reha-Kliniken:
Kurzfristiger Erholung folgen harte Zeiten
Die Insolvenzgefahr deutscher Reha-Kliniken
dürfte 2007 und 2008 deutlich abgenommen
haben. Grund ist eine steigende Auslastung
der Kliniken. Das geht aus dem aktuellen "Reha
Rating Report 2009" von RWI Essen, ADMED
GmbH und HCB GmbH hervor. Demnach gilt nur
noch für ein Fünftel bis ein Sechstel
der deutschen Reha-Einrichtungen erhöhte
Insolvenzgefahr, 2006 war es noch fast ein
Viertel. Ab 2010 dürften hohe Tarifabschlüsse,
die Folgen der Finanzkrise und der Gesundheitsfonds
jedoch dazu führen, dass sich die Lage
wieder verschlechtern wird. Langfristig sollte
die demographische Entwicklung wieder zu einer
Verbesserung führen. Dennoch ist anzunehmen,
dass nicht alle Reha-Kliniken [...]
Rund ein Fünftel bis ein Sechstel der
deutschen Reha-Einrichtungen dürften
sich 2007 und 2008 in erhöhter Insolvenzgefahr
befinden, mehr als die Hälfte existieren
ohne größere wirtschaftliche Probleme,
der Rest liegt dazwischen. Zu diesem Ergebnis
kommt der "Reha Rating Report 2009",
den das RWI Essen gemeinsam mit der Healthcare-Unternehmensberatung
ADMED GmbH und dem Institute for Health Care
Business GmbH (HCB) erstellt hat. Datengrundlage
sind Bilanzen von Reha-Kliniken aus 2006,
die auf 2007 und 2008 hochgerechnet wurden.
Damit hat sich die Lage der Reha-Kliniken
gegenüber 2006 verbessert. Statistisch
signifikante Unterschiede der Insolvenzgefahr
hinsichtlich Trägerschaft, städtische/ländliche
Lage, Ost- und West-, Nord- und Süddeutschland,
Ketten und Einzelkliniken gibt es nicht.
Je
nach Trägerschaft zeigen sich allerdings
Unterschiede in der Auslastung. So waren Reha-Kliniken
in privater Trägerschaft im Jahr 2006
mit 71,3% deutlich geringer ausgelastet als
solche in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft
mit 87%. Die höchste Auslastung konnten
die Kliniken der Deutschen Rentenversicherung
(DRV) mit durchschnittlich 93,3% verbuchen.
Hoch ist auch die Mobilität der Reha-Patienten.
Im Durchschnitt lassen sich nur 17% von ihnen
in der eigenen Region behandeln, 30% in einer
Nachbarregion und mehr als die Hälfte
in einer weiter entfernten Klinik.
Reha-Bereich
wird sich voraussichtlich erst nach dem Jahr
2010 langsam erholen
Die
Zahl der stationären Reha- und Vorsorge-Einrichtungen
ist seit langem rückläufig. In den
Jahren 1997 bis 2006 sank sie um 9,5% auf
1.255 Kliniken, während die Verweildauer
im gleichen Zeitraum um 6% sank. Gleichzeitig
stieg die Zahl der Fälle um 17% auf 1,8
Millionen, die der Belegungstage um 10%. Das
größte Wachstum konnten die Psychiatrie
mit einem Plus von 75% und die Neurologie
mit einem Plus von 70% verbuchen.
Die
gestiegene Auslastung der Kliniken 2007 und
vermutlich auch 2008 dürfte dazu führen,
dass sich ihre Lage trotz der hohen Tarifabschlüsse
2008 und 2009 vorübergehend erkennbar
bessern wird. Ab 2010 dürften die hohen
Lohnabschlüsse jedoch nachwirken und
gemeinsam mit den Folgen der Finanzmarktkrise
und dem durch den Gesundheitsfonds bedingten
Kostendruck dazu führen, dass sich die
Lage wieder deutlich verschlechtert. Erst
langfristig dürfte sich der Reha-Bereich,
bedingt durch den demographisch bedingten
Anstieg der Nachfrage von 6,3% zwischen 2006
und 2020, langsam erholen und die Zahl der
Reha-Kliniken mit erhöhter Insolvenzgefahr
im Vergleich zum Ausgangsjahr 2006 abnehmen.
Sinkt allerdings die Verweildauer bis 2020,
würde die Zahl der Belegungstage und
damit die Auslastung trotz steigender Zahl
der Fälle abnehmen.
Nicht
alle Reha-Kliniken werden die nächsten
zehn Jahre überleben
Einigen
Reha-Kliniken dürfte es nach Einschätzung
der Wissenschaftler schwer fallen, sich in
den nächsten zehn Jahren am Markt zu
behaupten. Es ist daher zu erwarten, dass
die Kettenbildung sowohl innerhalb des Reha-Sektors
als auch sektorübergreifend weiter voranschreiten
wird. Gleichzeitig dürften einige Kliniken
schließen. Dies führt aus ökonomischer
Sicht dazu, dass die knappen Ressourcen produktiver
genutzt würden und die verbleibenden
Reha-Kliniken ihre Auslastung beträchtlich
steigern könnten.
Für
die Studie wurden Daten des Statistischen
Bundesamtes zu allen deutschen Reha- und Vorsorge-Kliniken
sowie 100 Jahresabschlüsse, die insgesamt
172 Einrichtungen umfassen, analysiert. Da
die kompletten Daten nur bis zum Jahr 2006
vorlagen, beruhen die Zahlen für die
Jahre 2007 und 2008 teilweise auf Prognosen.
Dieser
Pressemitteilung liegt die Studie "Reha
Rating Report 2009 - Trügerische Erholung?"
zugrunde. Das Executive Summary ist unter
http://www.rwi-essen.de/presse oder http://www.admed.com
als pdf-Datei erhältlich. Die komplette
Studie kann für 190 Euro inkl. MwSt.
und Versand beim RWI Essen, der ADMED GmbH
oder der HCB GmbH bestellt werden.
RWI
Essen, ADMED GmbH und HCB GmbH haben gemeinsam
bereits mehrere Gutachten im Gesundheitsbereich
erstellt, zuletzt unter anderem den "Krankenhaus
Rating Report 2008".
Weitere Informationen:
http://www.rwi-essen.de/presse - hier steht
die Pressemitteilung auf der RWI-Homepage,
incl. Link zum Executive Summary der Studie
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