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Direct-to-Consumer: Neue Konzepte für innovatives Pharmamarketing

Fred Harms, Marc Drüner, TU-Berlin

Seite 1

 

Patient-Empowerment:

In einer Zeit, in der die Menschen ihr Leben individuell gestalten, wirkt sich dieser Gestaltungswille auch auf die medizinische Versorgung aus. Seit den neunziger Jahren hat sich das Gesundheitsbewusstsein stark verändert. Die Medizin wird in immer stärkerem Maße zu einem normalen Bestandteil unseres Lebens.

Mit Beginn des 21. Jahrhunderts verändert sich das End-Konsumenten-Verhalten. War noch vor einigen Jahren der Arzt der entscheidende Ansprechpartner für die Arzneimittel-Verordnung, so nimmt der Druck auf die Verschreibungsgewohnheiten kontinuierlich zu. Gerade bei chronischen Erkrankungen treten Patienten nicht mehr als Individualpatient, sondern als Teil eines gut informierten und organisierten Interessenverbandes auf. Es bilden sich richtungsweisende Aktivitäten in Form von Selbsthilfe-, Patienten-, Angehörigengruppen bzw. Verbraucherorganisationen aus. Diese erlangen eine Gatekeeper-Rolle und nehmen eine Art Clearingfunktion ein.

Nach verschiedenen Untersuchungen aus den USA und Europa sind im Jahre 2003 bis zu 500 Millionen Menschen weltweit online. Davon leben mehr als 30% in Europa. Mit Hilfe des Internets ist heute fast jeder in der Lage Informationen von Universitäten, Forschungsinstituten und pharmazeutischen Unternehmen abzurufen. In Kürze wird es für den größten Teil der westlichen Welt möglich sein, sich sämtliche Informationen zum Verlauf, zur Prognose und zu den therapeutischen Möglichkeiten einer Erkrankung online zu beschaffen.

Schon heute benutzen große Teile chronisch Kranker das Internet zur Daten-Akquirierung. Somit geht man davon aus, dass trotz einer eventuellen Sprachbarriere nicht nur HIV-Patienten, sondern auch mehr als die Hälfte der Tumorpatienten das Internet zur Suche nach Informationen direkt (persönlich) oder indirekt (Angehörige, Freunde etc.) einsetzen. Diese Entwicklung wird durch die Nutzung von Werbekonzepten, bei denen die Kunden / Patienten direkt angesprochen werden noch verstärkt. Somit wurden im Jahre 2001 2,6 Milliarden US$ für Maßnahmen aus dem Bereich Direct-to-Consumer (DTC) investiert (Abb.1/ Abb. 2).

Dabei umfassen DTC-Konzepzte folgende Punkte:

§         Werbung zur Schulung von Symptomen (Help-seeking or disease-education): Hier wird der Name (Brand) des Medikamentes nicht genannt. Im Mittelpunkt des Interesses steht nicht das Therapeutikum, sondern die Erkrankung. Es geht darum, ein Bewusstsein für bestimmte Symptome, die einen Hinweis auf eine besondere Erkrankung ermöglichen, herzustellen. Durch die Kommunikationsmaßnahmen sollen die Kunden so geschult werden, dass sie den Beginn einer Erkrankung frühzeitig erkennen können.

§         Werbung zur Bewusstseinsvertiefung (Reminder ads): Hier wird der Name des Medikamentes genannt, ohne dass auf eine konkrete Indikation eingegangen wird. Es geht darum, das Bewusstsein für ein bestimmtes Therapeutikum in den Köpfen der potentiellen Kunden zu vertiefen. Wie von Seiten der Ärzte und Apotheker immer wieder angemerkt wird, besteht der Nachteil der Kommunikationsmaßnahmen darin, dass dem Konsumenten nicht klar ist, für welche Erkrankung er das Medikament einsetzen kann. Aus diesem Grund sollten laut FDA nur Brands beworben werden, bei denen das Indikationsfeld in der Bevölkerung eindeutig umschrieben ist.

§         Medikamenten-spezifische Werbung (Brand-specific ads): Hier wird sowohl der Name des Medikamentes genannt, als auch seine Indikation beschrieben. Dabei sollte auf den Sinn des Einsatzes sowie die entscheidenden Risiken und Nebenwirkungen einer Therapie eingegangen werden. Kontraindikationen werden dargestellt und der Vorteil des Arzneimittels diskutiert.

 

 

Dr. Dr. Fred Harms
TU-Berlin
Marketing I
priv. fredharms@bluewin.ch

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