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Neue
Kommunikationsstrategien
Fred
Harms *,
Marc Drüner*, Frank
Rittinghaus **
Technische
Universität Berlin; Institut für Life Sciences Management,
** **Organon
Seite
1
Das
sich die Erwartungshaltung auf Kundenseite radikal verändert,
bekommt die Pharmaindustrie seit einiger Zeit zu spüren.
Jahrzehntelang gab es keine tief greifenden Veränderungen,
doch seit einigen Jahren ist die relative Ruhe vorbei. Während
in den 80er und 90er Jahren Veränderungsprozesse von den
eigenen Organisationen angestoßen wurden, um zum Beispiel
durch straffe Vorgaben die Rentabilität des Außendienstes
zu steigern, erscheinen die pharmainternen Maßnahmen als
Banalität im Vergleich zu dem, was zu Beginn des 21. Jahrhunderts
die Veränderungen des Marktes bestimmt. Veränderte Marktbedingungen,
innovative Technologien und der gesellschaftliche Wertewandel
verlangen neue Lösungsansätze in bezug auf Kundenorientierung,
Kundenzufriedenheit bzw. Kundenbindung. Wer von seinen Kunden
Loyalität erwartet muss sich um sie kümmern. Somit wandelt
sich mit den neuen Formen der Kommunikation das Massenmarketing
zum Individualmarketing.
Die
dem Individualmarketing zugrunde liegende Strategie fußt
auf einer möglichst genauen Kenntnis der Kundenbedürfnisse.
Die Umsetzung ist nur mit einer adäquaten Informationstechnologie
realisierbar. Der Einsatz moderner Kommunikationsmittel
erfordert den Zugriff auf alle verfügbaren Kundendaten,
damit Synergieeffekte (Verhältnis zwischen Kundenbedürfnis
und Problemlösungskompetenz des Angebots) identifiziert
werden. Auch Bagatellinformationen (Versand von Mustern,
Informationsmaterial und Warenproben) müssen in der zentralen
Datenbank (Database) eingepflegt sein. Daraus resultiert,
dass das Datenbankmanagement (Database-Management) maßgeblich
zum Geschäftserfolg beiträgt. Mehr Wissen über den Kunden
ermöglicht gezieltere Angebote, eine höhere Verordnungs-
und Absatzwahrscheinlichkeit bzw. messbare Kundenzufriedenheitsparameter
(Image und Sympathiewerte). Aus diesem Grunde müssen Marketing
und Kommunikation-Center-Management (KCM) eng zusammenarbeiten.
Das Kommunikationszentrum (Communication-Center) muss einerseits
wissen, welche Aktionen durch das Marketing geplant sind,
um die Kapazitäten dementsprechend einzurichten. Umgekehrt
ist es das „Ohr am Puls des Kunden“ und dient demnach der
Früherkennung von Trends. Wenn es gelingt, die Informationen
schnell an das Marketing weiterzuleiten, ist eine marktadaptierte
Anpassung der Produktmerkmale bzw. mehrwertsteigender Dienstleistungen
möglich. Grundlage ist der Aufbau verschiedener Kommunikations-
und Vertriebskanäle (Wertschöpfungsketten oder Value Chains).
Der Kommunikationskanal sollte sich nach dem bevorzugten
Kommunikationsmedium des Kunden richten (Response-Optimierung).
Hierbei hat er jederzeit die Möglichkeit über die unterschiedlichen
Kanäle Informationen zum Unternehmen, den Produkten oder
Dienstleistungen zu beziehen. Passives und aktives Informationsmanagement
entwickeln sich daher zur lohnenden Core-Kompetenz pharmazeutischer
Unternehmen.
Kommunikation
per Telefon ist die einfachste Methode, um neben dem eigentlichen
Geschäft Sympathiewerte zu vermitteln. Es lohnt sich in
Kundenbeziehung zu investieren! Langfristig weist eine gute,
dauerhafte Kundenbeziehung nachweislich zusätzliche Gewinnpotentiale
auf und hilft die Wettbewerbsposition des Unternehmens zu
stärken. Das Kommunikations-Center als Organisationseinheit
für den serviceorientierten Dialog ist ein ideales Instrument
hierfür. Umgekehrt birgt der Telefonkontakt manche Tücken
in sich, deren Nichtbeachtung dem Unternehmen erhebliche
Antipathien einbringt. Erfolgt die personelle Ausstattung
gemäß der Maxime „Telefonieren kann jeder“, sind Katastrophen
vorprogrammiert. Telemarketing ist, wenn man es richtig
und gewissenhaft praktiziert, ein komplexes System, das
modernste Telekommunikations- und Computertechnik, Marketingmethodik
bzw. menschliche Kommunikationsfähigkeiten kombiniert. Die
besondere Charakteristik des Telemarketings ist die Vielfalt
seiner Möglichkeiten. Wenn ein Call-Center für eingehende
Anrufe einrichtet wird (passives Telemarketing oder Inbound
Telemarketing), ermöglicht das die permanente Erreichbarkeit.
Dabei werden potentielle Kunden professionell empfangen
und ihre Wünsche in die Datenbank eingepflegt. Angeforderte
Unterlagen werden am gleichen Tag versandt und Nachfasstelefontermine
oder weitergehende Maßnahmen vereinbart.
5-Phasenmodell
der Telefonmarketing-Implementierung
Phase
1: Ausarbeitung Geschäftsleitungsstrategie
(GL-Strategie)
Erfolgreiches
Telemarketing hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren
ab, insbesondere vom Engagement der Geschäfts- und Vertriebsleitung,
von der Planung sowie von der operativen Umsetzung. Telemarketing
ist ein wichtiges Erfolgsinstrument für den Verkauf innovativer
Leistungen. Allerdings ist es für Schnellschüsse wenig geeignet.
Die Geschäftsleitung muss bereit sein, Telemarketing als
langfristige Strategie zu sehen. Die Einrichtung eines Call-Centers
mit qualifizierten Mitarbeitern, die Auswahl des geeigneten
Standorts und der richtigen technischen Einrichtung sind
kostenintensiv. Beim Telefonmarketing handelt es sich um
ein komplexes Informationssystem, das fast alle Bereiche
des Unternehmens, den Betriebsrat eingeschlossen, berührt.
Deshalb muss das Senior-Management den Prozess aktiv begleiten,
und zwar nicht erst dann, wenn das Call-Center arbeitet,
sondern besonders während des Aufbaus und der Implementierung
der neuen Kommunikationsstrukturen.
Phase
2: Informationsanalyse
Folgende Punkte sollten analysiert werden:
·
Welche
Vertriebs- und Marketingstrategien existieren für die einzelnen
Produkte?
-
Welches
sind die Kundengruppen und wie ist deren Struktur beschaffen?
-
Welche
Vertriebsinformationssysteme werden eingesetzt?
-
Was
sind die Stärken und Schwächen des Produktangebots?
Innerhalb
dieser Analyse sollte der Arbeitsweise des Außendienstes
besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Folgende Punkte
sind zu untersuchen:
-
Wie
funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Außen- und
Innendienst?
-
Was
sind die definierten Vertriebsziele für die Verkäufer?
-
Wie
sind die Besuchsfrequenzen - je nach Kundenklasse für
die Neukundengewinnung und die Bestandskundenbetreuung
- definiert?
-
Welche
Maßnahmen für die Vertriebsunterstützung werden durchgeführt?
Phase
3: Projektentwicklungsstrategie
In der Phase der Projektentwicklung werden unterschiedliche
Strategien eingesetzt. Diese
bestehen aus folgenden Unterpunkten:
·
Bestandskundenbetreuung
mit dem Zusatzziel „Schlummerkunden“ zu reaktivieren bzw.
Gesprächstermine für den Außendienst zu vereinbaren (General-Customer-Relationship-Management)
·
Neukundengewinnung
mit dem Ziel der Bedarfsermittlung und anschließender Terminvereinbarung
(Potential-Customer-Relationship-Management)
·
Sonderprogramme
zur Kundenbindung durch
Messen, Seminare, Weiterbildungen (Service-based-Customer-Relationship-Management)
·
Direktverkauf
von Arzneimitteln, Medizinprodukten und Wartungsverträgen
(Selling-based-Customer-Relationship-Management)
·
Netzwerkbildung (Network-based-Customer-Relationship-Management)
·
Imagebildung (Image-based-Customer-Relationship-Management)
·
Innerbetriebliche
Projektabstimmung
(In-house-based-Customer-Relationship-Management)
Adresse:
Fred
Harms
MD PhD
TU-Berlin
Fredharms@bluewin.ch
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