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Kooperation als Strategie in der Gesundheitsindustrie

 

von Dr. Volker J. Kreyher

        (Dr. Dr. Fred Harms)

 

Seite 1

 

 

1    Innovationsmarketing 

Gesundheit ist weltweit ein wachsender Wirtschaftsmarkt. Die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen der Gesundheitsindustrie wird in erster Linie durch marktgerechte Innovationen gesichert. Innovative Produkte und Verfahren, besonders aus dem Bereich der gentechnologischen und der medizintechnologischen Forschung, schaffen Wettbewerbsvorteile und Nachfrage auf dem Gesundheitsmarkt. Produktinnovation und professionelles Innovationsmarketing tragen wesentlich zur Wertschöpfung und damit zur Existenzsicherung der Unternehmen bei. Das künftige Wirtschaftswachstum und das Entstehen neuer Arbeitsplätze können letztlich nur durch neue geschäftliche Aktivitäten und vermarktungsfähige Innovationen gesichert werden, die nachweislich zur Verbesserung der gesundheitlichen Situation der Patienten beitragen und gleichzeitig auch Akzeptanz in Gesellschaft und Politik finden.

Ein Grundzug der Gesundheitswirtschaft im deutschen Gesundheitssystem ist es, daß alle im Gesundheitsmarkt tätigen Akteure in einem Spannungsfeld zwischen Solidarität und Wettbewerb stehen. Aus der Sozialbindung des Gesundheitswesens leiten sich gesellschaftspolitische Erwartungen und soziale Ansprüche her. Um die Effektivität und Effizienz der Versorgung zu erhöhen und Rationalisierungsreserven durch bessere Koordination zu erschließen, werden marktwirtschaftliche Steuerungsformen eingeführt. Arztpraxen und Kliniken sollen sich an marktwirtschaftlichen Prinzipien orientieren und die Qualität und Wirtschaftlichkeit ihrer Leistungen verbessern. Wirtschaftliche Ziele dürfen aber nicht zu Lasten des besonderen Gutes Gesundheit gehen.

Unternehmen der Gesundheitsindustrie müssen das besondere Spannungsfeld zwischen Solidarität und Wettbewerb bei ihren Marketingplanungen und -aktivitäten berücksichtigen, wenn sie auf dem deutschen Markt tätig sind. Sie müssen die besonderen Interessen, Erwartungen und Einstellungen der Beteiligten am Gesundheitsmarkt beachten und die Beziehungen zu den Marktpartnern aktiv und bewußt gestalten. Das sind die Beziehungen zu den Patienten als Verbraucher und Kunden, zu den Ärzten, Praxen, Kliniken und Apotheken, zu den Krankenkassen und Versicherungen sowie zu Verbänden, Ämtern, Politik und Medien. Das Pharmamarketing muß die brachenspezifischen Besonderheiten des Gesundheitswesens,  die gesundheitsökonomischen, rechtlichen und marktbestimmenden Rahmenbedingungen, bei allen Planungen und Aktivitäten berücksichtigen.

Da der Druck auf die Entwicklung des Gesundheitsmarktes zunimmt, ist der enge Kontakt mit allen politisch aktiven Interessenvertretungen wichtig. Innovationen bedeuten Veränderungen, die von einigen Betroffenen als Chance, von anderen möglicherweise als Bedrohung angesehen werden können. Innovationsprozesse haben Auswirkungen auf Individuen, Gruppen und Institutionen und werden von diesen beeinflußt. Für das Unternehmen ist es daher wichtig, die für die Innovation relevanten Anspruchsgruppen frühzeitig zu berücksichtigen und einzubeziehen (Stakeholder-Konzept) und dadurch den eigenen Handlungsspielraum zu vergrößern. 

Kundenorientierung und -interaktion werden zu wichtigen Erfolgsfaktoren, die sich durch den gesamten Innovationsprozess von der Forschung über die klinischen Phasen bis zur Markteinführung ziehen. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wird der Markterfolg medizinischer Produkte nicht nur durch die Wirksamkeit, sondern zunehmend durch externe Faktoren bestimmt. Entsprechend erzielen im Pharmabereich nur drei von zehn innovativen Leistungen einen Gewinn. Der Kunde entwickelt sich zu einem zentralen Element im strategischen Gesamtkonzept.

Um den Innovationsprozess im Gesundheitsbereich erfolgreich zu gestalten, genügt es nicht, neue Produktideen zu erarbeiten, die einen medizinischen, pharmakologischen oder technischen Fortschritt begründen könnten. Im Gegensatz zu zeitpunktbezogenen Inventionen sind Innovationen Prozesse. Wegen der unterschiedlichen Managementaufgaben ist es zweckmäßig, Innovationen in typische Phasen einzuteilen. In den verschiedenen Entwicklungsphasen müssen unterschiedliche Kommunikations- und Kooperationsstrategien angewandt werden (vgl. Abb. 1).

 

Die Integration der Zielkunden wird zur entscheidenden Kompetenz für Innovationskonzepte. Das bedeutet die frühzeitige Kontaktaufnahme und Kooperation mit Marktpartnern, wie Patientengruppen, Ärzten, Krankenkassen und Behörden. Übergreifende Interaktionen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft, Industrie und Medizin, Produzenten und Kunden, der Aufbau von Netzwerken,  Kooperation und Kommunikation, Lobbying und Kundenorientierung werden Erfolgsfaktoren der Marktpositionierung.

 

 

 

 

 

Dr. Dr. Fred Harms
TU-Berlin
Marketing I
priv. fredharms@bluewin.ch

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