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Pharmainnovationsmarketing

- Geschäftsprozesse im Wandel -

Internet: Substrat einer neuen Geschäftswelt

von Dr. Dr. Fred Harms

 

Seite 1

 

In den nächsten Jahren wird sich das Marketing pharmazeutischer Produkte grundlegend verändern. Der Verdrängungswettbewerb und die Emanzipation der Kunden nehmen zu, die F&E-Kosten zur Entwicklung innovativer Medikamente steigen und das Zeitfenster für eine exklusive Vermarktung verringert sich kontinuierlich. Somit liegt in einer Zeit der abnehmenden Produktdifferenzierung der Schlüssel zum Erfolg in der Annäherung der pharmazeutischen Dienstleister an deren Kunden.

Mit Hilfe des Internets ist heute jeder in der Lage Informationen von Universitäten, Forschungsinstituten und pharmazeutischen Unternehmen abzurufen. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts existierten nach einer Umfrage von 'Nua Internet Surveys' ca. 200 Mio. Internet-Anschlüsse, allein 100 Mio. in den USA. Anhand verschiedener Untersuchungen kann davon ausgegangen werden, daß im Jahre 2002 bis zu 500 Millionen Menschen weltweit online sind. Davon leben mehr als 30% in Europa. Falls diese Entwicklung weiter fortschreitet, werden im Jahre 2005 mehr als 50% der Bevölkerung das Internet regelmäßig nutzen. Mittelfristig wird der größte Teil der Bevölkerung in der westlichen Welt in der Lage sein, sich sämtliche Informationen zum Verlauf, zur Prognose und zu den therapeutischen Möglichkeiten einer Erkrankung online zu beschaffen.

e-Patientenempowerment

Derzeit beschäftigen sich in den USA mehr als 15.000 Websites mit der medizinischen Versorgung. Seit dem Jahr 2001 ist die Anzahl weltweit auf über 120.000 angewachsen. Alleine in Deutschland sind 2000 Gesundheitssites abrufbar. Eine neue US-Studie von Louis Harris und Associates zeigt, daß im Jahre 2000 60 Millionen Amerikaner das WWW zur Sammlung von Gesundheitsinformationen nutzten. Das sind ca. 70% der erwachsenen Bevölkerung. Dabei gelangten 90% der Befragten subjektiv zu einem adäquaten Wissensgewinn. Bei einer weiteren, durch die ‘Health on the Net Foundation’ (HON’s Fourth Survey on the Use of the Internet for Medical und Health Purposes) durchgeführten Untersuchung wurden 4.500 internationale Besucher der HON-Website nach ihrem Suchverhalten und ihren Erfahrungen befragt. 60% waren 40 Jahre alt oder älter, der Anteil der über 60-jährigen betrug nicht einmal 10%. Während in den USA die Frauen mit ca. 60 % die Majorität der Suchenden darstellen, ist der Anteil in Europa mit 30% unterproportional entwickelt. Obwohl die Penetration des Internets derzeit noch nicht vergleichbar ist, konzentrieren sich bereits 15% aller Suchaktivitäten auf medizinische Fragestellungen.

Somit verändert der Kunde durch die verbesserte Informationsbeschaffung seinen Informationsstand in einem atemberaubenden Tempo. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts begibt er sich auf eine „Intellektuelle-e-Shopping-Tour“. Dabei stellen zunehmend die Web-Sites der pharmazeutischen Unternehmen eine Alternative zu den Daily-Health-News einiger indikationsspezifischer Communities (z.B. Selbsthilfegruppen) dar. Der Patient sucht sich via Web oder Call-Center aktuelle Daten über innovative Produkte und lässt sich durch unterschiedliche Gesundheitsportale in die Welt der Medizin einweisen. Er unterzieht die Diagnose des Arztes einer Electronic-Second-Opionion und konfrontiert Arzt und Apotheker mit den Ergebnissen.

 

 

 

 

Dr. Fred Harms
TU-Berlin
Marketing I
priv. fredharms@bluewin.ch

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