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im Info-Netzwerk Medizin 2000
2.1.2026
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Quelle:
Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung Max-Planck-Institut
für Bildungsforschung 2009
Mündiger Patient? Fehlanzeige!
Studie belegt: Nutzen der Krebsfrüherkennung in Europa deutlich
überschätzt - Deutsche Patienten besonders schlecht informiert
Interviews mit mehr als 10.000 Bürgern aus 9 europäischern Ländern
gingen in die erste europaweite Studie zum Verständnis der
Krebsfrüherkennung ein, die das Harding Center for Risk Literacy
(Harding-Zentrum für Risikokompetenz) zusammen mit der Gesellschaft
für Konsumforschung (GfK-Nürnberg e. V.) durchgeführt hat. Die
Ergebnisse verblüffen: Die Europäer erweisen sich als mangelhaft
informierte Optimisten in Sachen Früherkennung - allen voran die
Deutschen.
Das Bundesministerium für Gesundheit hat die Stärkung der
Patientensouveränität zum "nationalen Gesundheitsziel" erklärt. Aber
sind die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland und Europa wirklich
informiert genug, um kompetent entscheiden zu können? Was das Wissen
der Europäer zum Nutzen der Krebsfrüherkennung angeht, so lautet die
Antwort jedenfalls eindeutig: Nein, sie sind es nicht.
So fanden die Wissenschaftler heraus, dass 92 % aller befragten Frauen
den Nutzen der Mammografie als Mittel zur Vermeidung einer tödlich
verlaufenden Brustkrebserkrankung überschätzen (oder gar keine Angaben
dazu machen können). Und 89 % aller Männer versprechen sich zu viel
vom PSA-Test im Hinblick auf die Reduktion des Risikos einer tödlich
verlaufenden Prostatakrebserkrankung (oder bekennen ihr Unwissen zu
diesem Thema).
Aber wie ist es tatsächlich um den Nutzen etwa der Mammografie
bestellt? Frühere Untersuchungen haben ergeben, dass von 1.000 Frauen,
die nicht am Sreening teilgenommen haben, in einem Zeitraum von ca. 10
Jahren etwa 5 an Brustkrebs sterben; bei einer zweiten Gruppe von
ebenfalls 1.000 Frauen, die sich für die Früherkennung entschieden
haben, verringert sich diese Zahl auf 4. In vielen
Informationsbroschüren wird dieser Sachverhalt in die Aussage
übersetzt, dass die Mammografie eine Risikoreduktion um 20 %
ermögliche (mitunter werden auch 25 % oder 30 % angegeben). Häufig
schließen Frauen daraus, dass durch Mammografie 200 von 1.000 Frauen
"gerettet" werden. Die jetzt präsentierte Studie zeigt: In Deutschland
wissen gerade einmal 0,8 % der Frauen, dass Früherkennung die
Brustkrebssterblichkeit um etwa eine von je 1.000 Frauen reduziert -
das ist europäischer Tiefstwert!
Dafür sind die Deutschen, Männer wie Frauen, "Prospekt-Europameister":
41 % der Befragten informieren sich häufig durch Broschüren von
Gesundheitsorganisationen - der europäische Durchschnitt liegt hier
bei 21 %. Jene Deutschen, die solche Informationsquellen häufig zu Rate
ziehen, sind aber keineswegs besser informiert als andere. Vielmehr
überschätzen sie den Nutzen der Früherkennung noch etwas mehr als
jene, die die Broschüren nicht lesen. Menschen im Alter von 50-69
Jahren, die besonders gefährdet sind und daher die wichtigste
Zielgruppe des Informationsmaterials darstellen, sind keineswegs
besser im Bilde als andere Altersgruppen.
Und noch einer weiteren Frage widmet sich die Studie: Sind Menschen,
die häufiger Ärzte oder Apotheker konsultieren, besser über den Nutzen
der Früherkennung informiert? Die Antwort darauf ist europaweit ein
klares "Nein". Insbesondere deutsche Frauen, die ihr Wissen zum Thema
Früherkennung bevorzugt aus Gesprächen mit Ärzten und Apothekern
beziehen, sind nicht etwa zu einer deutlich genaueren Einschätzung in
der Lage, sondern zeigen sich schlechter informiert als andere, die
sich weniger bei Ärzten oder Apothekern erkundigen. Die möglichen
Ursachen dafür sind aus anderen Studien des Max-Planck-Instituts
bekannt und liegen im medizinischen Aus- und Weiterbildungssystem
begründet. Dieses versagt weitgehend bei der Aufgabe, Ärzte darin zu
schulen, die statistischen Ergebnisse wissenschaftlicher Studien zu
verstehen und zu vermitteln. Und auch die Schulen lehren vornehmlich
die "Mathematik der Sicherheit", also Gebiete wie Algebra oder
Trigonometrie, und führen nicht in statistisches Denken ein, das auf
den Umgang mit den Risiken einer unsicheren Welt vorbereiten könnte.
Prof. Dr. Gerd Gigerenzer, Direktor des Harding Center for Risk
Literacy, zu den Ergebnissen der Studie: "Früherkennung birgt immer die
Gefahr von Folgeschäden, wie z. B. unnötige Operationen oder
Inkontinenz. Um informiert entscheiden zu können, ob sie teilnehmen
möchten oder nicht, müssen Patienten um den möglichen Nutzen der
Früherkennung genauso wissen wie um potenzielle Schädigungen.
Nach den vorliegenden wissenschaftlichen Studien liegt der Nutzen des
Mammographie-Screenings in der Altersgruppe von 50 bis 69 Jahren im
Bezug auf tödlich verlaufende Brustkrebserkrankungen bei einer Reduktion
um eine von je 1.000 Frauen. Für die Prostatakrebsfrüherkennung mit
PSA-Tests liegt er bei null oder einem von 1.000 Männern. Unsere
europaweite Studie zeigt nun, dass die Menschen diese Zusammenhänge
einfach nicht kennen.
Wenn wir mündige Patienten und kein paternalistisches Gesundheitswesen
wollen, dann müssen wir genau hier ansetzen. Wir müssen - gerade in einem
immer teurer werdenden System - die Menschen umfassend und präzise
informieren und sie so in die Lage versetzen, notwendige Entscheidungen
kompetent zu treffen."
Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt sprach einmal vom Ziel, dass
Patienten und Ärzte "auf Augenhöhe" miteinander sprechen sollen. Die
europaweite Studie zeigt, dass einem das Erreichen dieses Ziels im
Moment noch wie ein Traum vorkommen muss; ein schöner Traum zwar -
aber eben ein Traum.
Quelle:
Die Studie wird am 2. September 2009 unter dem Titel "Public Knowledge
of Benefits of Breast and Prostate Cancer Screening in Europe" im
Journal of the National Cancer Institute (Vol. 101, Issue 17)
veröffentlicht.Sie entstand als Zusammenarbeit des Harding Center for
Risk Literacy am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und des GfK-Nürnberg
e. V. Ihre Autoren sind Gerd Gigerenzer, Jutta Mata und Ronald Frank.
Harding Center for Risk Literacy:
Im Frühjahr 2009 wurde das Center am Max-Planck-Institut für
Bildungsforschung gegründet. Es ist im Forschungsbereich Adaptives
Verhalten und Kognition angesiedelt und wird von Prof. Dr. Gerd
Gigerenzer geleitet. Im Fokus des Forschungsinteresses stehen der
Mensch und die Wahrnehmung statistischer Risiken. Dabei versteht sich
das Center als Kern eines weltweiten Netzwerkes von Experten, die sich
mit Risikowahrnehmung und -kommunikation beschäftigen. Ermöglicht
wurde die Gründung durch die großzügige Unterstützung des Londoner
Geschäftsmanns David Harding.
KONTAKT:
Mathias Voigt
Literaturtest
Pressesprecher Harding Center for Risk Literacy
Monbijouplatz 10
10178 Berlin
Fax +49(0)30-531 40 70-99
voigt@literaturtest.de
Hanna Thon
Max-Planck-Institut für Bildungsforschung
Referentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Lentzeallee 94
14195 Berlin
Fax +49(0)30-82499-39
thon@mpib-berlin.mpg.de
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