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Medizin 2000

2.1.2026

 

 

 

 

Quelle: British Medical Journal

Sparen im Gesundheitswesen: Werden im Zusammenhang mit der auch in Deutschland üblichen Behandlung chronischer Rückenschmerzen Milliarden sinnlos verpulvert?

Eine in England durchgeführte Studie weckt Zweifel an der Effizienz der bei Rückenschmerzen üblichen physiotherapeutischen Maßnahmen




Viele Gesundheits-Experten sind der Auffassung, daß das deutsche Gesundheitssystem nicht in erster Linie an einem absoluten Geldmangel leidet, sondern eher an einem schlechten Management der vorhandenen finanziellen Ressourcen. Generelle Kürzungen nach dem Heckenschnittverfahren sind daher weniger sinnvoll als Kürzungen auf Gebieten, auf denen bisher kein vernünftiges Kosten-Nutzenverhältnis
nachgewiesen werden konnte.

Ein Beispiel hierfür ist der Umgang mit dem Phänomen der chronischen Rückenschmerzen. Diese sind in Deutschland der häufigste Grund für vorzeitigen Ruhestand und verursachen mit bis zu 17 Milliarden Euro jährlich eine immens große finanzielle Belastung. Etwa 5 Milliarden entfallen auf Behandlungskosten, deren wirtschaftliche und medizinische Effizienz aber nur unzulänglich erforscht ist. Es bietet sich somit an der Frage nachzugehen, ob diese Behandlungskosten tatsächlich in der
Lage sind einen vernünftigen „Gegenwert“ zu erzeugen.

Jetzt stützt eine im British Medical Journal publizierte Studie den schon lange hinter vorgehaltener Hand diskutierten Verdacht, daß der größte Teil der typischerweise von Physiotherapeuten erbrachten Leistungen möglicherweise „für die Katz“ ist.

Von 286 geeigneten Patienten die länger als sechs Wochen unter Rückenschmerzen litten erhielten 144 nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Kranke die übliche Physiotherapie, während 142 lediglich von einem Physiotherapeuten einmalig beraten wurden.

Am Ende der Studie konnten die Forscher standardisierte Parameter (Oswestry disability index) auswerten, die bei 200 Patienten nach 2, 6 und 12 Monaten erfaßt worden waren. Im Verlauf der Auswertung der objektiven Daten zeigte sich, daß sich die objektivierbaren Befunde bei den physiotherapeutisch behandelten Schmerzpatienten nicht mehr gebessert hatten als bei jenen Leidesgenossen, die zu Beginn der Studie lediglich untersucht und beraten worden waren. Die Beratung bestand in
erster Linie darin, daß die Patienten aufgefordert wurden sich weiter körperlich zu belasten.

Die Untersucher um Helen Frost, Universität of Warwick, kamen daher zu dem Schluß, daß die derzeit bei chronischen Rückenschmerzen übliche physiotherapeutische Therapie gegenüber einer einmaligen Beratung durch einen Physiotherapeuten keinerlei medizinische Vorteile hat. In einem
begleitenden Editorial äußerte Domhnall MacAuley, Belfast, daher aus Sicht des praktischen Arztes die Meinung, daß Ärzte den unter Rückenschmerzen leidenden Patienten derzeit keine rational zu begründende Langzeittherapie anbieten können.


Dr. med. Jochen Kubitschek



Quellen:

http://bmj.bmjjournals.com/cgi/content/full/bmj;329/7468/708

http://www.innovations-report.de/html/berichte/medizin_gesundheit/bericht-18086.html


 

 

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