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Quelle: Journal Twin Research

Gleichberechtigung beim Seitensprung – sind untreue Frauen das willenlose Opfer ihrer Erbanlagen?


Von Jochen Kubitschek



Sobald es eine Frau mit der Treue nicht so genau nimmt, begibt sie sich selbst in westlichen Gesellschaften in eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Anders als bei Männern, denen Untreue und sogar Partnerwechsel in Serie mit dem Argument „die denken nun mal mit den Schwanz“ sozusagen als angeboren leicht verziehen wird, treffen wie ein Schmetterling von Blüte zu Blüte flatternde Angehörige des weiblichen Geschlechts von Alters her auf deutlich weniger Verständnis. Ihnen wird unter anderem unterstellt, daß sie jenseits der Pubertät, also frei von hormonellen Zwängen, über ihr Verhalten eigenverantwortlich entscheiden können. Dementsprechend gewalttätig reagieren einige der betrogenen Partner auf den Blick ihrer Frau über Nachbars Zaun – insbesondere dann, wenn es nicht bei einem Blick bleibt. Generell wird die Untreue bei Frauen nahezu weltweit und in allen Kulturen anders bewertet, als jene der Männer denen die intellektuelle Selbstbestimmung über ihr Sexualverhalten nahezu vollständig abgesprochen wird.

Möglicherweise muß nun der theoretische Hintergrund dieser Ungleichbehandlung der Geschlechter neu überdacht werden. Britische Zwillings-Forscher um Professor Tim Spector, Leiter der Twin Research Unit am St Thomas Hospital in London, haben nämlich bei der Befragung von 3.200 identischen und nicht-identischen Zwillingsschwestern herausgefunden, daß die Zahl der Sexualpartner, bzw. der Trend zu Untreue gegenüber dem jeweiligen Partner, angeblich zumindest zu 41% von der jeweiligen individuellen Erbanlage gesteuert wird. Bei der Zahl der Sexualpartner sollen 38% genetisch bedingt sein. Die im Journal Twin Research publizierte Studie gehört zu einer Serie von Untersuchungen bei der seit 1992 rund 10.000 Zwillinge intensiv untersucht wurden.
Immerhin 22% der befragten Frauen gaben bei der Fragebogenaktion an, in der Vergangenheit trotz einer stabilen Partnerschaft untreu gewesen zu sein. In dieser Gruppe bekannten sich die Frauen zu durchschnittlich 8 unterschiedlichen Sexualpartnern, während es die Frauen, die partnerschaftliches Wohlverhalten zu Protokoll gegeben hatten, nur auf 4 Sexualpartner brachten. Im Durchschnitt waren die befragten Frauen 50 Jahre alt und zu 98% heterosexuell.

Eine nicht-identische Schwester einer untreuen Frau hat nach den Erkenntnissen der Zwillingsforscher selbst eine um 50% erhöhte Chance eine außereheliche Beziehung zu riskieren. Den Wissenschaftlern ist es zwar nicht gelungen, ein „Untreue- Chromosom“ zu identifizieren. Sie fanden aber 3 von 23 Chromosomen- Paaren, die mit dem sozial nicht erwünschten Verhalten der flatterhaften Frauen zu tun haben könnten.

Obgleich das in der Studie untersuchte Verhalten dem ersten Anschein nach nicht gerade stabilisiert, haben die Forscher auf einen Aspekt verwiesen, der zeigt, daß die Untreue von Frauen bei der Entwicklung der menschlichen Gattung durchaus eine wichtige Rolle gespielt haben könnte. Generell ist nämlich in vielen Kulturen die Tendenz zu beobachten, daß sich Frauen für den Seitensprung einen Sexualpartner aus einer höheren sozialen Schicht suchen. Durch diesen „Aufstieg“ erhalten Frauen aus der Unterschicht die einmalige Möglichkeit, ihre eigene genetisch unbedeutende Erbmasse im Interesse ihrer Nachkommen mit der Erbmasse eines genetisch überlegenen Partners zu mischen.

Interessanterweise gab die Mehrzahl der untreuen Frauen an, daß sie ihr eigenes Verhalten nicht positiv beurteilen. Daraus folgerten die Forscher, daß ethisch moralische Vorstellungen offenbar im Gegensatz zum eher von angeborenen Trieben gesteuerten Verhalten nicht genetisch vorbestimmt sind. Außerdem darf man bei der Bewertung des Verhaltens der ungetreuen Frauen die Tatsache nicht aus dem Auge verlieren, daß rund 59% der Fälle von Untreue nicht genetisch bedingt sind.

Insbesondere diese Aspekte werden den beim Seitensprung ertappten Frauen wohl auch in Zukunft die Argumentationsschiene kräftig verhageln, daß es für sie aufgrund ihrer bedauerlichen Erbanlage gar nicht möglich gewesen sei, dem Partner treu zu sein.



 

 


 

 

 

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(13.12.2009)
 

  

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