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Quelle: aerzteblatt.de Medizin
Pressemitteilung
Vogelgrippe:
Antivirale Medikamente sind keine Wundermittel
Köln - Die Diskussion über Sinn und Unsinn einer Bevorratung mit
Neuraminidase-Hemmern findet ihre Fortsetzung im Deutschen Ärzteblatt
(Dtsch Arztebl 2006; 103(51–52): A 3486–92). Uwe Tröger und Stefanie
M. Bode-Böger von der Universität Magdeburg kommen in ihrer Übersichtsarbeit
zu dem Schluss, dass keinesfalls gesichert ist, ob Neuraminidase-Hemmer
im Falle einer Grippepandemie die Zeit bis zur Entwicklung
eines Impfstoffes erfolgreich überbrücken können. Die Neuraminidase-Hemmer
sind Bestandteil des nationalen Influenza-Pandemieplans. Es handelt
sich um antivirale Medikamente.
Tröger et al. werteten Publikationen zur klinischen Wirksamkeit
dieser Arzneistoffgruppe bei Grippeerkrankungen aus. Ihre Analyse
ergab, dass Neuraminidase-Hemmer in der Akuttherapie die Krankheitssymptome
um bis zu drei Tage verringern. Die prophylaktische Behandlung
reduziere die absolute Inzidenz für eine Influenza zwischen 0,8
und 19 Prozent. Zur Letalitätssenkung gebe es bisher keine Untersuchungen.
In allen publizierten Fällen von Patienten, die mit dem aviären
H5N1 – dem sogenannten Vogelgrippevirus – infiziert waren, fehle
ein erfolgreicher Behandlungsnachweis. Neuraminidase-Hemmer verhinderten
nicht das Übertragunsrisiko von Viren durch infizierte Personen.
Aufgrund dieser Ergebnisse sei der wirksame Einsatz im Pandemiefall
und die Anlage von großen staatlichen Depots zu hinterfragen.
In einem begleitenden Editorial weisen demgegenüber Reinhard Kurth
und Kollegen vom Robert-Koch-Institut auf das Potenzial der Neuraminidase-Hemmer
hinsichtlich der stationären Versorgungslage hin. Bei rechtzeitiger
Therapie könnte durch Neuraminidase-Hemmer die Zahl der Krankenhauseinweisungen
im Fall einer Pandemie um 50 Prozent reduziert werden. Diese Annahme
stützen Laborversuche an H5N1-infizierten Mäusen. Die Gabe von
Neuraminidase-Hemmern innerhalb der ersten 48 Stunden nach der
Infektion mit einer potenziell tödlichen Dosis bewahrte die Tiere
vor dem Sterben. Die antiviralen Arzneimittel seien keine Wunderwaffe,
so Kurth et al., aber ein wichtiger Baustein der kausalen Behandlung
und möglichen Prophylaxe. /Se
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Medizin Pressemitteilung, Mittwoch, 20. Dezember 2006, Ausgabe
51 - 52 vom 25.12.2006
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