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Medizin 2000

2.1.2026

 

 

Quelle: Fachblatt Lancet

 

Plötzlicher Herzstillstand und der Versuch der Wiederbelebung durch medizinische Laien:  Mund-zu-Mund-Beatmung muss nicht sein, wenn das Herz aufgehört hat zu schlagen

 

Seit Jahren gilt als eiserne Regel, dass bei einem plötzlichen Herzstillstand von den durch Zufall anwesenden Laienhelfern neben der Herzmassage unbedingt auch eine Mund-zu-Mund-Beatmung durchgeführt werden muss. Die Herzmassage und die Mund-zu-Mund-Beatmung sollen die Zeit zu überbrücken helfen, bis der Notarztwagen ankommt und díe Wiederbelebung des Patienten mit Hilfe eines koordinierten Elektroschocks (Defibrillator) versucht werden kann. Doch Experten haben schon seit längerer Zeit hinter vorgehaltener Hand die Frage diskutiert, ob sich die Forderung nach Durchführung einer Mund-zu-Mund-Beatmung nicht letztendlich als kontraproduktiv erweist. Viele  ansonsten bereitwillige Helfer schrecken vor der Atemspende - die auch als Kuss-des-Lebens  bezeichnet wird - zurück, da sie Angst davor haben sich mit einer gefährlichen Krankheit anzustecken. Oder Ekel bremst ihre Hilfsbereitschaft.

Diese Frage hat eine große praktische Bedeutung, da allein in Deutschland Jahr für Jahr mehr als 100.000 Menschen den plötzlichen Herztod erleiden.  Etwa alle fünf Minuten stirbt in Deutschland ein Mensch weil sein Herz ohne erkennbare Ursache einfach zu schlagen aufhört. Der plötzliche Herztod fordert damit mehr Todesopfer als Krebs und alle anderen Krankheiten. Wird der Versuch der Wiederbelebung allerdings von gut ausgebildeten Helfern durchgeführt, so macht die Kombi-Behandlung durchaus Sinn. Doch ein einzelner Helfer ist damit oft überfordert.

Jetzt haben japanische Forscher untersucht, wie wichtig die Mund-zu-Mund-Beatmung tatsächlich ist.  In die im Fachblatt "The Lancet" veröffentlichte Untersuchung wurden 4.068 Patienten eingeschlossen, die außerhalb eines Krankenhauses einen plötzlichen Herzstillstand erlitten.
Von diesen wurden 439 von medizinischen Laien nur mit Herzmassage behandelt, 712 wurden zusätzlich mit Mund-zu-Mund-Beatmung versorgt und 2.917 wurden  überhaupt nicht behandelt.

Es zeigte sich, dass die Behandlung durch die Laien im Vergleich zum nichts tun die Rate des Überlebens ohne bleibende Hirnschäden verdoppelte (5% gegenüber 2.2%). Erstaunlicherweise schnitten die Patienten aber besser ab, die nur eine Herzmassage erhielten. Hier lag die Rate des Überlebens ohne neurologische Defekte bei 6.2%, während die gleichzeitig durchgeführte Mund-zu-Mund-Beatmung diese Rate auf 3.1% schrumpfen ließ.
Diesen erstaunlichen Unterschied erklärten die Experten damit, dass das Blut ausreichend mit Sauerstoff angereichert ist wenn das Herz plötzlich zu schlagen aufhört. Es ist daher wichtig, dass das Blut mit Hilfe der Herzmassage weiter zum Hirn transportiert wird. Dagegen ist der Versuch das ohnehin sauerstoffreiche Blut durch die Mund-zu-Mund-Beatmung weiter mit Sauerstoff anzureichern eher überflüssig.

Es kommt hinzu, dass die Atemspende die Helfer von der überlebenswichtigen Herzmassage eher ablenkt, so das diese von der Frequenz her eher zu kurz kommt. Wichtig ist es, den Brustkorb pro Minute etwas 100 mal zu komprimieren. Wenn dann innerhalb von 4 Minuten durch den Notarzt eine Defibrillation durchgeführt wird, sind die Chancen für eine erfolgreiche Wiederbelebung gut. Es ist also extrem wichtig, dass im Moment des Beginns der Herzmassage auch der Notarzt unter der Notrufnummer 112 angerufen wird.

Allerdings machten die Ärzte darauf aufmerksam, dass die Mund-zu-Mund-Beatmung weiter wichtig ist, wenn die Ursache der plötzlichen  Bewusstlosigkeit in einem primären Atemstillstand zu suchen ist - wenn also beispielsweise ein Ertrunkener aus dem Wasser gezogen wird. Hier ist im  Regelfall ein Atemstillstand Ursache der dramatischen Notsituation und nicht ein plötzlicher Herzstillstand "aus heiterem  Himmel". Ähnlich verhält es sich, wenn eine Drogenüberdosierung zur plötzlichen Bewusstlosigkeit führt. Insbesondere Opiate wie Heroin oder Morphium lähmen bei Überdosierung in erster Linie  das Atemzentrum. Hier kann also die Atemspende das Leben retten und die Herzmassage ist überflüssig, da das Herz ja meist noch schlägt.

 

 

 

Eine englischsprachige Kurzversion dieser Studie (sog. MEDLINE Abstract) finden Sie hier

 

 

 


 

The Lancet 2007; 369:920-926


Cardiopulmonary resuscitation by bystanders with chest compression only (SOS-KANTO): an observational study



Mouth-to-mouth ventilation is a barrier to bystanders doing cardiopulmonary resuscitation (CPR), but few clinical studies have investigated the efficacy of bystander resuscitation by chest compressions without mouth-to-mouth ventilation (cardiac-only resuscitation).

Cardiac-only resuscitation by bystanders is the preferable approach to resuscitation for adult patients with witnessed out-of-hospital cardiac arrest, especially those with apnoea, shockable rhythm, or short periods of untreated arrest.

Corresponding Author InformationCorrespondence to: Dr Ken Nagao, The SOS-KANTO Committee, Department of Emergency and Critical Care Medicine, Surugadai Nihon University Hospital, 1-8-13 Kanda Surugadai, Chiyoda-Ku, Tokyo, 101-8309, Japan Kennagao@med.nihon-u.ac.jp

 

 

 

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