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Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Hörschädigungen
bei Neugeborenen: Studie belegt die Bedeutung von Früherkennung
Von
Tausend Neugeborenen kommen in Deutschland ein bis zwei mit
einer Hörschädigung auf die Welt. Je später eine
solche Schädigung diagnostiziert wird, desto negativer
wird die sprachliche und gesamte Entwicklung eines Kindes beeinflusst.
Ein Forscherteam um Professor Annette Leonhardt vom Lehrstuhl
für Gehörlosen- und Schwerhörigenpädagogik
der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München hat
mit Hilfe von Sprachtests die sprachliche Entwicklung hörgeschädigter
Kinder untersucht, deren Schädigung durch das so genannte
Neugeborenenhörscreening früh erkannt wurde. Das Screening
ermöglicht, Hörschäden in den ersten Tagen nach
der Geburt zu erkennen und in der Folge exakt zu diagnostizieren.
Danach wird eine Hörgeräteversorgung veranlasst und
die Frühförderung beginnt.
"Wir
konnten mit unseren Tests zeigen, dass sich die Sprachentwicklung
von Kindern, die durch das Neugeborenenhörscreening früh
als hörgeschädigt erkannt wurden und dann Hörgeräte
und eine Frühförderung erhielten, der Sprachentwicklung
hörender Kinder annähert", berichtet Professor
Annette Leonhardt.
Für eine positive Entwicklung sei aber auch entscheidend,
dass die Mitarbeiter von Pädagogisch-Audiologischen Beratungsstellen
aufgrund des jungen Alters der Kinder verstärkt auf den
jeweiligen Fall individuell eingingen und sich vor allem stärker
an den Ressourcen der jeweiligen Familie orientierten. Aus diesem
Grund haben die LMU-Forscher bei ihren Untersuchungen die Eltern
sowie die Frühförderer einbezogen. Die Wissenschaftler
kommen zu dem
Schluss, dass betroffene Eltern aufgrund der frühen Diagnose
sehr offen mit der Hörschädigung umgingen. Sie erlebten
zwar einen Diagnoseschock, jedoch einen geringeren Leidensdruck,
weil die Unterschiede zu gleichaltrigen Kindern noch nicht sichtbar
seien.
Ein
weiteres Ergebnis der Studie: Richtlinien und Leitfäden
zur Förderung von Säuglingen und Kleinkindern sind
dringend erforderlich, um den verbesserten Diagnosemöglichkeiten
durch das Screening Rechnung zu tragen. Bislang werden Neugeborenenhörscreenings
nur in einigen Bundesländern erfolgreich durchgeführt.
In der bayerischen Oberpfalz beispielsweise konnten dadurch
schon im Alter von durchschnittlich 4,3 Monaten entsprechend
Diagnosen gestellt werden. Bislang lag das Diagnosealter zwischen
6,4 bis 31,4 Monaten. Annette Leonhardt fordert deswegen eine
Ausweitung dieser Tests: "Bei einer flächendeckenden
Umsetzung der Screenings würden Säuglinge und Kleinkinder
mit Hörschädigungen zukünftig eine deutlich verbesserte
Sprachentwicklung zeigen."
Auf
der Grundlage von Studienergebnissen werden Empfehlungen für
ein pädagogisches Gesamtkonzept für Familien mit Kindern,
die infolge des Neugeborenenhörscreenings als hörgeschädigt
diagnostiziert wurden, formuliert.
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Ludwig-Maximilians-Universität München
Weitere Information:
Prof. Dr. Annette Leonhardt
Lehrstuhl für Gehörlosen- und Schwerhörigenpädagogik
der LMU
E-Mail: leonhardt@lmu.de
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