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2.1.2026

 

 

 

Pressedienst - Berufsverband der Frauenärzte e.V.

 

Späte Mutterfreuden – Chancen und Risiken

 

Frauen, die mit Ende 30 bis Anfang 40 Mutter werden, befinden sich in bester Gesellschaft. Die Liste prominenter später Mütter reicht von Cherie Blair über Madonna, Kim Basinger, Caroline von Hannover, Bärbel Schäfer, Sandra Maischberger bis Barbara Wussow. Sie bekamen mit über 40 noch ein gesundes Kind. Besorgte Kommentare verstummen zwar nicht, aber sie werden seltener und die Warnungen von Gynäkologen sind aus guten Gründen vorsichtiger geworden: Dank moderner Vorsorge- und Therapieangebote kommen mehr als 90% der Kinder später Mütter kerngesund zur Welt.

Risikoschwangerschaft – was heißt das heute?
Ab dem 35. Lebensjahr wird im Mutterpass grundsätzlich von einer „Risikoschwangerschaft“ gesprochen. Obgleich es durchaus kein Problem mehr ist, mit über 35 ein gesundes Kind zur Welt zu bringen, erhöht sich mit dem Alter der Mutter das Risiko einer Chromosomenstörung, der Trisomie 21 – dem Down-Syndrom. Darum sind Gynäkologinnen und Gynäkologen verpflichtet, jede werdende Mutter ab 35 auf die Möglichkeiten der pränatalen Diagnostik hinzuweisen, aber auch weitere Risiken rechtzeitig abzuklären. Bei einer 40Jährigen beträgt die Gefahr, ein Kind mit Down-Syndrom zu erwarten 1:100 und das Risiko einer Fehlgeburt ist fast doppelt so hoch wie mit 30.  Auf der anderen Seite leben späte Mütter gesünder, indem sie auf ihre Ernährung achten, sportlich aktiv sind und auf Alkohol und Nikotin verzichten. Sie befinden sich meistens auf dem Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit und Attraktivität. Sie nehmen die Vorsorgeuntersuchungen sorgfältiger wahr als viele jüngere Schwangere, sind zumeist beruflich etabliert und gehen mit Alltagsstress gelassener um. Die meisten späten Mütter nehmen sich Zeit und Muße, eine harmonische Schwangerschaft bewusst zu erleben. Übrigens: Jedes sechste Baby wird hierzulande von einer Mutter über 35 geboren.

Die wichtigsten Risiken später Mutterschaft
Schwangere in höherem Alter leiden öfter an Bluthochdruck. Es besteht die Gefahr einer Minderdurchblutung der Plazenta und damit wächst das Risiko einer Frühgeburt. Außerdem kann das Kind mangelernährt zur Welt kommen. Um dem Ungeborenen nicht zu schaden, wird der Bluthochdruck nur im Extremfall mit Medikamenten gesenkt. Stattdessen sind Stressabbau, Ruhe und Entspannung ratsam. Ein Schwangerschaftsdiabetes tritt am häufigsten bei Frauen über 35 auf. Ebenso sind übergewichtige Frauen gefährdet. Die überhöhten Blutzuckerspiegel werden meistens in der zweiten Schwangerschaftshälfte festgestellt und sind vielfach mit einer Ernährungsumstellung in den Griff zu bekommen. Andernfalls muss Insulin verabreicht werden, um dem Entstehen eines Typ-II-Diabetes der Mutter nach der Entbindung vorzubeugen. Ein unbehandelter Schwangerschaftsdiabetes beeinträchtigt auch die Gesundheit des Kindes, das oft als Schwergewicht und nur mit Hilfe eines Kaiserschnitts das Licht der Welt erblickt.
Eine „Schwangerschaftsvergiftung“, auch Gestose oder Präklampsie genannt, zeigt sich durch Wasseransammlungen im Gewebe, Bluthochdruck, eine gestörte Nierenfunktion und wird auch als „Stoffwechselstörung der Spätschwangerschaft“ bezeichnet. Es gibt keine einzelne Ursache und auch Viren oder Bakterien sind nicht beteiligt. Die Schwangerschaftsgestose ist schätzungsweise für bis zu 50% der Frühgeburten verantwortlich, und deshalb muss es das erklärte Ziel frauenärztlicher Betreuung sein, eine vorzeitige Entbindung hinauszuzögern. Erfahrungsgemäß kann eine abwechselungsreiche eiweiß- und energiebetonte aber keineswegs salzarme Kost einer Gestose vorbeugen und die Symptome, insbesondere die Ödeme, verringern helfen. Entwässerungsmittel sollten nicht angewandt werden. Das trifft auch auf Brennnesseltee zu.

Sorge vor dem Down-Syndrom
Viele ältere Schwangere befürchten, dass ihr Kind möglicherweise nicht gesund zur Welt kommt oder sogar behindert ist. Die Ängste konzentrieren sich dabei vor allem auf die Chromosomenstörung der Trisomie 21, die dem Down-Syndrom zugrunde liegt. Das Chromosom 21 liegt nicht wie üblich doppelt, sondern dreifach vor. Die Kinder haben eine individuell unterschiedliche entwicklungsfähige geistige Behinderung, Fehlentwicklungen, u.U. Fehlbildungen und häufig einen Herzfehler. Wegen dieses Risikos raten Frauenärztinnen und –ärzte zu verschiedenen pränatalen Diagnosemethoden.
Zu den Routineuntersuchungen in der Schwangerschaft gehört der Ultraschall. Dieser wird in der 9.-12. Schwangerschaftswoche vorgenommen. Dabei sind bereits verschiedene körperlich sichtbare Veränderungen erkennbar. Diese frühe Ultraschalluntersuchung ist in der Lage, einige, aber nicht alle gesundheitlichen Abweichungen zu erkennen. Daher wird eine weitere Ultraschalluntersuchung in der 19.-22. Schwangerschaftswoche vorgenommen. Mit einem speziellen Ultraschall im ersten Trimester der Schwangerschaft (Ersttrimesterscreening) kann der Frauenarzt eine individuelle Risikoabschätzung für ein Down-Syndrom berechnen. In diesem Fall wird die Nackenfalte des Fötus gemessen. Die so genannte Nackentransparenz (NT) wird in einem Bereich im Nacken des Kindes zwischen der 12. und 14. Schwangerschaftswoche gemessen. Mit dem speziell dafür geeigneten Ultraschall kann millimetergenau die Flüssigkeitsansammlung in der Nackenfalte des Ungeborenen bestimmt werden. Diese Messung fließt ein in die Risikoberechnung für das Down-Syndrom. Das heißt: Zwischen der Nackenhaut und dem darunter liegenden Gewebe sollte der Abstand nicht mehr als 2,5 Millimeter betragen. Außerdem wird das Blut der Schwangeren auf bestimmte Eiweißsubstanzen und Hormone untersucht, sodass neben dem Down-Syndrom auch andere Chromosomenfehler berechnet werden können. Eine Fruchtwasseruntersuchung oder die Chorionbiopsie liefert 100prozentige Sicherheit.

Die Nackentransparenz-Messung wird als Vorsorgeleistung von den gesetzlichen Kassen nicht bezahlt. Das Ersttrimesterscreening (Nackentransparenz-Messung mit Blutuntersuchung) kostet zwischen 120-200 Euro.

Mit 40 das erste Kind? Viele Frauen haben diese Entscheidung bewusst getroffen, denn sie wollen zunächst beruflich Fuß fassen, bevor sie Mutter werden. Die Ärztinnen und Ärzte des Berufsverbandes der Frauenärzte stehen den späten Müttern mit ihrem Vorsorge- und Therapieangebot zur Seite, damit jedes Wunschkind möglichst gesund das Licht der Welt erblickt.


Maria-E. Lange-Ernst

 

 



 

 

 

 

 

 

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