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Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Deutsches Krebsforschungszentrum, Dr. Stefanie
Seltmann
Darmkrebs-Früherkennung:
Vorstufen per Immuntest sicherer entdecken
Die
Untersuchung auf verborgenes Blut im Stuhl
ist ein wichtiger Bestandteil der Früherkennung
von Darmkrebs. Wissenschaftler aus dem Deutschen
Krebsforschungszentrum zeigten nun, dass einige
immunologische Tests dem gebräuchlichen enzymatischen
Verfahren (HaemOccult) deutlich überlegen
sind. Allerdings stellten sie große Unterschiede
in der Leistungsfähigkeit der Tests verschiedener
Anbieter fest.
Ein Großteil der rund 73.000 Fälle von Darmkrebs,
die jährlich in Deutschland festgestellt werden,
ließe sich vermeiden: Werden die Krebsvorstufen
- als Adenome bezeichnete Veränderungen an
der Darmschleimhaut - frühzeitig entdeckt
und entfernt, so kommt der Krebs mit hoher
Wahrscheinlichkeit nicht zum Ausbruch. Daher
bieten die Krankenkassen in Deutschland allen
Versicherten vom 50. Lebensjahr an einen kostenfreien
Test auf verborgenes ("okkultes")
Blut im Stuhl an, der Hinweise auf Vorstufen
von Darmkrebs geben kann. Darüber hinaus haben
die Versicherten ab dem 55. Lebensjahr alle
zehn Jahre einmal Anspruch auf eine endoskopische
Untersuchung des Dickdarms (Darmspiegelung,
Koloskopie).
Eine Koloskopie entdeckt Darmkrebsvorstufen
mit großer Sicherheit von über 90%. Dennoch
nehmen, hochgerechnet auf die 10-Jahres-Spanne
zwischen den zwei kostenlosen Darmspiegelungen,
nur etwa 30 Prozent aller Berechtigten daran
teil, weil sie die Untersuchung scheuen. "Die
einfachen Labortests auf okkultes Blut im
Stuhl sind daher trotz allem wichtig, um auch
diejenigen zu erreichen, die keine Darmspiegelung
wahrnehmen", erklärt Professor Hermann
Brenner, der im Deutschen Krebsforschungszentrum
die Abteilung für Klinische Epidemiologie
und Alternsforschung leitet.
Der gebräuchliche und von den Kassen erstattete
HaemOccult-Test hat jedoch entscheidende Nachteile:
Er ist wenig empfindlich, außerdem kann das
Testergebnis, das auf einem enzymatischen
Nachweis des Blutfarbstoffs beruht, durch
Nahrungsbestandteile - etwa Fleisch oder Vitamin
C - verfälscht werden. Immunologische Nachweisverfahren
dagegen beruhen auf einem sehr spezifischen
Nachweis von Blutbestandteilen durch Antikörper.
Um die Aussagekraft verfügbarer Tests zu vergleichen,
hat Brenners Team eine groß angelegte Studie
durchgeführt. Die Epidemiologen untersuchten
Stuhlproben von 1319 Menschen, die sich zu
einer normalen Vorsorge-Endoskopie angemeldet
hatten. Alle Proben wurden mit dem HaemOccult-Verfahren
sowie mit sechs verschiedenen immunologischen
Tests untersucht. Bei den untersuchten Verfahren
handelte es sich um sogenannte Schnelltests,
deren Ergebnis ohne aufwändige Laboranalytik
in jeder Praxis direkt ermittelt werden kann.
Die Testergebnisse wurden anschließend mit
den Resultaten der Darmspiegelung abgeglichen.
Die Forscher fanden heraus, dass die immunologischen
Tests dem HaemOccult-Verfahren eindeutig überlegen
waren, was das Aufspüren von Krebsvorstufen
betrifft. So entdeckten sie durchweg einen
mehr als doppelt so hohen Anteil der Darmkrebsvorstufen.
Allerdings gab es große Unterschiede zwischen
den Immuntests, ein Teil der Tests gab zu
häufig "falschen Alarm". Für die
Früherkennung eignen sich solche Tests am
besten, die eine hohe Entdeckungsrate haben
und gleichzeitig bei unauffälligem Befund
zuverlässig Entwarnung geben.
"Angesichts der Häufigkeit von Darmkrebs
könnte eine konsequente Früherkennung hier
einen bedeutenden Beitrag zur Krebsprävention
leisten", sagt Hermann Brenner. "Trotz
des Angebots der kostenfreien Darmspiegelung
hat die Untersuchung auf okkultes Blut weiterhin
einen hohen Stellenwert, etwa auch in Ländern,
die nicht über die Ressourcen verfügen, allen
Menschen eine Koloskopie anbieten zu können.
Daher ist es entscheidend, dass die besten
verfügbaren Tests eingesetzt werden, um die
Stuhluntersuchung in ihrer Aussagefähigkeit
zu verbessern. Aus wissenschaftlicher Sicht
wäre es wünschenswert, dass die immunologischen
Tests als Kassenleistung übernommen werden,
auch wenn sie etwas teurer sind als der herkömmliche
enzymatische Test."
Sabrina Hundt, Ulrike Haug,
Hermann Brenner: Comparative
evaluation of immunochemical fecal occult
blood tests for colorectal adenoma detection.
Annals of Internal Medicine, Band 150, Seite
163, 3. Februar 2009
Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ)
ist die größte biomedizinische Forschungseinrichtung
in Deutschland und Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft
deutscher Forschungszentren. Über 2.000 Mitarbeiter
und Mitarbeiterinnen, davon 850 Wissenschaftler,
erforschen die Mechanismen der Krebsentstehung
und arbeiten an der Erfassung von Krebsrisikofaktoren.
Sie liefern die Grundlagen für die Entwicklung
neuer Ansätze in der Vorbeugung, Diagnose
und Therapie von Krebserkrankungen. Daneben
klären die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen
des Krebsinformationsdienstes (KID) Betroffene,
Angehörige und interessierte Bürger über die
Volkskrankheit Krebs auf. Das Zentrum wird
zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung
und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg
finanziert.
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